Lena spielet die ganze Zeit wunderbar draußen vor dem Haus. Sie übte Radfahren, fuhr Roller, heizte mit dem Laufrad durch die Gegend.
Mit einem Male stürzte sie zu uns ins Wohnzimmer, an uns vorbei, riss sich die Jacke und Schuhe herunter und setzte sich ins Kinderzimmer.
Leises Schluchzen war zu hören, dann der zaghafte und sehr klägliche Ruf:
"Mama!"
Weinend, herzzerreißend weinend, berichtete sie mir dann in meinem Arm, dass ein "großer" Junge mit dem Rad vorbei gefahren sei und ihr
"Du Winzling!" zugerufen hätte.
Mein Kind war am Boden zerstört.
Ganz rachsüchtige Mutter wäre ich dem Jungen am liebsten hinterher gelaufen und hätte ihm gerne ein paar Takte gesagt.
Aber genauso ganz Mutter ist mir klar, dass solche Situationen immer wieder vorkommen können und - bei Lenas Größe - vorkommen werden.
Mir bleibt, meinem Kind den Rücken zu stärken, ihr Selbstvertrauen zu geben und ihr mit auf den Weg zu geben, in solchen Momenten "klar zu kommen".
Ich befürchte, das ist ein tränenreicher Weg. Und ich befürchte es ist einer dieser Wege, die ich meinem Kind nicht abnehmen kann.