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Einträge vom: 28.08.2005

Geschwisterstreit

Die Lehre verlief rasch, sozusagen komprimiert, nichtsdestotrotz habe ich alles begriffen und weiß es jetzt: Man kann sich über nahezu ALLES streiten.
Nun gut, vielleicht nicht "man", aber unsere zauberhaften Töchter. Die eine dreieinhalb, die andere knappe fünf Jahre alt.

So als Einzelkind aufgewachsen hatte ich nicht annähernd eine leise Ahnung davon, wie viele Gründe sich tagtäglich zum Streiten finden.

Da wäre zum Beispiel das Frühstück.
Auf meine harmlose Frage nach den Frühstücksessenswünschen unserer beiden Damen, antwortet die Jüngste:
"Ich esse das, was Lena will!"
Worauf Lena hingegen nölt:
"Ich will das aber nicht!"
Schnell wiederhole ich die Ursprungsfrage in der Hoffnung, das Genöle im Keime zu ersticken, aber der Trick funktioniert nicht wirklich.
"Müsli ohne Milch!" teilt mir Lena mit und Sophia ruft:
 "Ich mag nicht Müsli ohne Milch. Ich will aber das essen, was Lena hat. Wir sollen Pärchen haben!"

Während Lena bereits eine Schüssel voller "Müsli ohne Milch" vor sich stehen hat, streiten die beiden munter darüber weiter, wer was essen möchte und wer was warum nicht essen möchte.

Sophia lenkt ein und will nun auch plötzlich Müsli ohne Milch.

"Boah, Mama, die Sophia hat viel viel mehr Flocken als ich im Müsli!"

"Gar nicht. Ich hab gar nicht viel viel mehr, ich hab bloß ganz paar mehr und das darf ich auch, weil ich ja viel später mein Essen dekriegt habe!"

"Boah, das ist VOLL ungerecht, Mama. Ich will auch mehr haben!"

"Du kriegst jetzt dar nichts mehr, stimmts, Mama?"

Och, naja, dies jetzt nur mal als exemplarisches Beispiel. So als Eltern versucht man ja dann möglichst trickreich vorzugehen, um Streit und somit Lärm und somit Stress wenn irgend möglich zu vermeiden.

Da wäre zum Beispiel die Tatsache, dass BEIDE Kinder von den Großeltern, einen Wasserball geschenkt bekamen. Einen identischen Wasserball, denn, man möchte ja jeden Neid und Zwist vermeiden.
Nun begab es sich aber, dass Opa erst den einen, dann den anderen Ball aufblies.

"Warum wird meiner nicht zuerst aufgeblasen?" beginnt sofort das Zetern und schwuppsdiewupps befindet man sich inmitten des schönsten und sinnlosesten Kinderstreits.

Auch immer wieder schön das abendliche Zähneputzen. Natürlich hat ein Kind immer viel zu viel Zahnpasta auf der Bürste, während bei dem anderen Kind aus Boshaftigkeit die Sanduhr wesentlich langsamer rieselt. Auch der Wasserstand im Zahnputzbecher ist nicht ccm genau abgemessen und mit Sicherheit ein guter Grund, um gleich ein wenig zu streiten.

Besonders schön auch solche Streitgespräche:

"Meine Mama kann nämlich Waffeln backen!"

"Meine Mama auch, Phia!"

"Nein, deine Mama nicht, Lena. Gar nicht."

"Phia, deine Mama ist auch meine Mama!"

"Ach so!", grübelt Sophia "na gut, aber  die besten Waffeln backt sie wieso nur für mich!"

;-)



augenBloglich 28.08.2005, 13.58| (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Nachwuchs

Muttersein ist anders

Bevor ich Mutter geworden bin, war ich eine perfekte und mit festen Grundsätzen behaftete Theoretikermutter. Ich gehörte zu jenen Frauen, die anderen Müttern kritisch zusahen und alles besser wussten, alles anders, alles besser, alles pädagogisch sinnvoller machen würden.
Natürlich würden meine eigenen Kinder später niemals so etwas Hirnloses wie Teletubbies schauen dürfen - dachte ich damals naiv - noch nicht wissend, wie kostbar die 20 Minuten sonntägliche Vormittagsruhe einst für mich sein würden.

Ich hatte auch konkrete Vorstellungen über das Schnullern und Nichtschnullern, das Erziehen überhaupt und das Muttersein in Gänze.

Ich irrte total.
Aber sowas von total.

Muttersein ist anders.
Und Muttersein ist schwierig..

Es fing damit an, dass mit einem Male ein kleines Wesen über mich und meinen Körper bestimmte. Gleichzeitig musste ich beginnen, für zwei Wesen zu denken.
Ich fühlte mich schlagmals fremdbestimmt. Mein Kind hatte Hunger und mein Körper musste zur Stelle sein. Unabhängig davon, ob ich müde war, lustlos, verschlafen, sauer, in Eile oder sonstwas.

Ich musste lernen, meine eigenen Bedürfnisse unterzuordnen. Ich spielte mit einem Male nicht mehr die erste Geige.
Die Gedanken darüber jedoch versetzen mich stets und sofort in eine schuldige Rolle. Mütter hatten doch nicht so zu fühlen, haben nicht so zu denken. Mütter lassen sich gerne fremdbestimmen, Mütter stellen das Wohl ihres Kindes immer über das eigene.
Gute Mütter.

Natürlich wollte und will ich eine gute Mutter sein, aber Muttersein ist irgendwie anders.
Also erfuhr ich, dass ich keineswegs eine perfekte Mutter bin. Dass ich meine Töchter zwar über alles liebe, aber dass ich dennoch nach wie vor Probleme mit dem Gefühl des Fremdbestimmtseins habe.
Dass ich nach wie vor dazu neige, meine eigenen Bedürfnisse gerne mal in den Vordergrund zu rücken. Dass ich nicht so geduldig bin, wie ich es mir gewünscht habe, dass ich vieles vor dem Muttersein gedanklich anders gemacht habe, als ich es, nachdem ich Mutter geworden war, in der Tat dann umsetzte.

Muttersein lässt mich jeden Tag an neue Grenzen stoßen. Ich lerne jeden Tag dazu, lerne aus meinen Fehlern, lerne durch meine Kinder.

Ich bin nicht die perfekte Mutter, die ich gerne gewesen wäre. Aber: Ich habe irgendwie auch nicht die "perfekten" Kinder, die mir in meiner rosa Theoretikerwolke einst vorschwebten.
Funktionierende kleine Wesen, die immer genau das tun, was die Eltern ihnen sagen.

Muttersein ist anders und ich bin froh darüber.
Nichts ist schlimmer als Perfektionismus. Nichts ist unmenschlicher als funktionierende Menschen.
Ich liebe meine Kinder - sie sind perfekt: für mich!

Und wer weiß, vielleicht bin ich ja genau die unperfekte Mutter, die meine Kinder brauchen?

augenBloglich 28.08.2005, 07.01| (4/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Gedanken

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Marie
Toll, dass Du wieder bloggst!
Ich wünsche Dir ein frohes neues Jahr und hoffe, ich lese Dich nun wieder regelmäßig!
2.1.2015-4:56
Hanna
Nochmal herzlichen Dank für die Hilfe und du hast einen sehr tollen Blog ! (:
26.11.2011-16:21
Gartenfee
Hi, bist du gar nicht mehr hier am Werk??? Das wäre aber schaade.
25.2.2011-23:00
patricia
wie heißt deine lehrerin!!!!!!!!
1.3.2008-16:20
NIcole
Hey, ich find das super das Du Dich durchgesetzt hast bei den anderen Müttern. Ist doch egal was die sagen. Bin stolz auf Dich. lieben Gruß
NIcki
30.3.2007-9:25