Obwohl das
Gedankenland seit Jahren brach und sträflich missachtet da liegt, erreichen mich immer noch zahlreiche mails von anderen Adoptierten, die mir Fragen zu meiner Einstellung stellen, einen Austausch suchen oder mich dazu bringen möchten, mich auf Spurensuche zu begeben.
Für mich war immer klar, ich werde erst dann eine Spurensuche beginnen, wenn ich den inneren Wunsch danach verspüre.
Dieser Wunsch hat sich bei mir bislang in keinster Weise geregt und so wäre eigentlich alles klar, wenn nicht, ja, wenn nicht da die Gedanken daran wären, ob meine "wahren" Eltern nicht vielleicht hin und wieder darüber nachdenken, was wohl aus mir geworden sein könnte.
Manchmal frage ich mich einfach, ob sich meine leiblichen Eltern wohl wünschten, ich nähme Kontakt zu ihnen auf. Sie können dies schwerlich tun. Allein ich kann diesen Weg beschreiten.
Je älter ich werde, um so mehr sinken die Chancen, meine leiblichen Eltern lebend kennen zu lernen. Natürlich denke ich darüber nach.
Immerhin vergebe ich da eine unwiderbringliche Chance.
Andererseits bin ich so glücklich und zufrieden wie es ist. Ich habe wunderbare Eltern, die, wie die meisten anderen wunderbaren Eltern auch, mich hin und wieder zwar zur Weißglut treiben können, mir aber unersetzlich sind.
Eltern, die ich liebe und schätze und die mir sehr viel wert sind.
Ich habe wenig Lust, Fremden gegenüber zu stehen, nur um zu schauen, woher mein Erbgut kommt.
Ich bin diesen Menschen dankbar. Dankbar dafür, dass sie mich haben leben lassen. Dankbar dafür, dass sie das Beste für mich und nicht für sich gewollt zu haben scheinen.
Aber dennoch verspüre ich nicht den winzigst kleinen Wunsch, mich auf die Suche zu begeben.
Darum werde ich es lassen. Mag sein, ich bereue dies irgendwann. Aber ich möchte nicht heute etwas ungern tun, nur damit ich morgen - eventuell - nicht trauern muss es unterlassen zu haben.
Und eine unehrliche Suche wäre sinnlos.
Ich habe meine Wurzeln hier. Und das ist gut so.