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Einträge vom: 06.08.2005

Stewardess

Stewardess ist kein Job für mich. Nein, ehrlich. Ich meine, gut, vor zig Jahren war es selbstverständlich mein Jugendtraum, aber wie das so geht im Leben, die Jugendträume erweisen sich in der Realität nicht zwingend als so rosig, wie erhofft.

Nicht, dass ich je in den Genuss gekommen wäre mal in diesen Job hineinschnuppern zu können. Nein, das nicht gerade. Aber immerhin war ich so wagemutig eine sieben bis achtstündige Autofahrt mit einer drei- und einer fünfjährigen liebenswerten Passagierin anzutreten.

Mein sowieso nur schwach ausgeprägtes Mutterwarngern hatte mal wieder versagt und so setzte ich mich relativ frohgemut auf den Beifahrersitz, zwischen mir einen Proviantkorb, diverses, völlig durcheinander geratenes Kartenmaterial und in mir die gute Hoffnung auf ein paar Tage RUHE und Auszeit.

Wir fuhren aus unserer Einfahrt und alles war gut.
Es mag bei Kilometer 0,6 gewesen sein, als Sophia von hinten rief: "Ich muss Pipi!" Ha, kein Problem, zwar waren wir gerade - ungefähr fünf Minuten zuvor - auf der Toliette gewesen um genau SO einen FALL zu vermeiden, aber wir waren frisch, wir waren unbedarft und ausflugsjung.

Abgeschnallt, über den Korb und die Karten nach draußen balanciert, Kind ausgeschnallt, in die Büsche geeilt, Kind wieder angeschnallt, über das Chaos gestiegen, selber angeschnallt, weitergefahren.
Kleine Zeitverzögerung von vielleicht vier Minuten.

Muss ich erwähnen, dass Lena beteuerte nicht zu müssen?

Es muss bei - geschätztem - Kilometer 1 gewesen sein, als Lena einfiel, sie müsse eventuell doch mal ganz außerordenlich dringend. Während Sophia einen leichten Appetit verspürte, aber auf keinen Fall Gurke oder Tomate, lieber einen selbstgebackenen Keks von Oma zu verspeisen wünschte.
Während die hungrige kleine Dame einen kleinen, aber lautstarken Tobsuchtsanfall durchlebte, als ich ihr mitteilte, Omas Kekse hätten wir definitiv nicht dabei, dafür aber Gurke und Tomaten, begann Lena zu jammern, sie müsse wirklich dringend. Jetzt und nicht gleich.

Tomaten und weise Sprüche verteilend schob ich all dies auf die Anfangsaufregung. [Mir war zum damaligen Zeitpunkt durchaus nicht bewusst, dass die Anfangsaufregung in den mittleren Erregungszustand, dieser dann in dem Ichkannundwillnichtmehrgenöle münden würde!]

Wir hielten - kurz - ich stieg und schnallte ab und an und verschwand in den Büschen - diesmal schaffte ich all dies bereits in ca. drei Minuten.

Bis Kilometer 4 herrschte Ruhe. Nein, das habe ich jetzt missverständlich ausgedrückt. Es herrschte natürlich nicht wirklich Ruhe, sondern wir wurden auf beglückend angenehme Weise von Baby Borns wunderbaren Liedern beschallt. Die einprägsamen und sinnreichen Texte wie: "Kolonne 17 das sind wir, die schnellsten Raupen im Revier...!" bekommt man so rasch nicht wieder aus seinen für Musik zuständigen Gehirnteilen, aber wie war das?

Wir waren frisch, wir waren unbedarft und wir waren ausflugsjung.

Ich erinnere mich gut an Kilometer 7, als der erste klitzekleine schwesterliche Streit entbrandte. Es bildete sich eine Baby Born und eine Bibi Blocksberg Fraktion. Beide sehr lautstark und sehr wenig kompromissbereit.
Wir, als einzige pädagogisch Recht ausübende Kraft im Fahrzeug, entschieden diplomatisch gegen beide Vorschläge, woraufhin sich die beiden gegnerischen Parteien miteinander verbündeten und - weiterhin lautstark - feststellten, sie hätten die gemeinsten Eltern der Welt.

Damit konnten wir einigermaßen gut leben und erst bei Kilometer 10 erwischte uns der nächste Toilettenangriff. Mittlerweile fast Profis kappten wir die 3 Minuten Grenze und fuhren frohen Mutes weiter.

Im Laufe der Fahrt musste ich häufig an den Beruf der Stewardess denken.

"Mama, ich hab Durst!"
"Schatz, kannst du mir bitte einen Kaffee einschütten!"
Kolonne 17 das sind wir
"Mama, ich möchte eine Tomate!"
"Mama, kann ich mal das Laura Buch sehen!"
"Schatz, haben wir Bananen?"
"Mama, ich will auch eine Banane!"
"Mama, ich auch und was zu trinken!"
"Mama, wann sind wir dahaaaa?"
"Schatz, mussten wir hier raus!"
Kolonne 17 das sind wir
"Mama, mach doch Bibi an, bitte!"
"Mama, nein, ich will Baby Born hören!"
"Mama, ich will lieber Süßes. Keine Gurke!"
"Schahatz? Mussten wir hier raus?"
"Mama, ich muss Pipi!"
"Schaaaahatz! Kannst du nicht mal darauf achten, was auf den Schildern steht?" "Mama, Lena hat mir meine Puppe weggenimmt!°
"Haben wir noch Kaffee!"
"Mama, wenn die Menschen tot sind, wie machen die dann AA?"
"Wann sind wir daha?"
"Süßstoff, reichst du mir mal bitte Süßstoff?"
"Mama, wann sind wir endlich daha?"
Kolonne 17 das sind wir
"Mama, ich will was essen. Aber mal was leckeres!"
"Mama, die Sophia nimmt mir immer alles weg und die hat ihren Fuß hier bei mir!"
"Ich muss Pipi!"
"Mama, warum gibst du mir nicht endlich mal was Süßes?"
"Schatz, haben wir Frikadellen?"
"Mama, ich will auch eine Frikadelle!"
"Boah, Mama, warum haben wir keine Frikadellen?"
"Ja, warum hast du keine Frikadellen gemacht?"
"Mama, wann sind wir daha? "Mama, ich muss auf die Toilette!"

Es muss bei Kilometer 700 gewesen sein oder so. Mit einem Male verspürte ich den Drang auch mal eine Toilette aufsuchen zu müssen. Ich wagt zaghaft mein Anliegen kund zu tun.

"Boah, Mama, müssen wir schon wieder anhalten? Wir wollen auch mal ankommen!"
Ist es nicht schön, wenn Vater und Töchter sich einig sind?

Die herrlich entspannte Fahrt wurde bei Kilometer 710 dann ein wenig unentspannter, als man mir auftrug, das Kartenmaterial zur Hand zu nehmen und wegweisend tätig zu werden.
Nicht, dass dabei die anderweitigen Pflichten vernachlässig werden durften. Hunger, Durst und andere Wichtigkeiten machten selbstverständlich keine Pause und so reichte ich Obst und Wasser, plemperte hier auf die Karte, dort auf die Hose, hielt die Karte ein klein wenig falsch herum was zu leichten Navigationsproblemen und männlicher Entnervung führte und fragte mich, wie ich um Himmelswillen auf die Idee gekommen war, mit einer ganzer Familie eine Autofahrt von mehr als 40 Kilometern anzutreten?
Das Selbsteingeständnis meiner geistigen Unzurechnungsfähigkeit half uns in diesem Falle nicht wirklich weiter, also reichte ich wieder an, gab weiter, sang mit, schlug mich in die Büsche, schaute auf die Karte, antwortete, mahnte, lobte und sandte jede Menge Achtung an all jene Damen und Herren, die das Reichen und Antworten zu ihrem Beruf gemacht haben. Meine Hochachtung. Doch für mich, für mich wäre das nichts. So viel steht fest.


augenBloglich 06.08.2005, 21.03| (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Erlebnisse

Ortwechsel



Und manchmal hilft dann einfach nur noch ein Ortwechsel, um ein klein wenig zur Ruhe zu kommen.
Auch das tat gut.
 

augenBloglich 06.08.2005, 20.16| (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Augenblicke

so viel Denken im Kopf

Mir sagte mal ein sechsjähriger Junge: "Ich habe immer so viel Denken im Kopf. Ich bekomme es nicht raus. Es ist einfach in meinem Kopf!" und ich wusste sofort, was der Junge meinte.
Vielleicht lernen wir zu wenig, mit all dem Denken in unseren Köpfen umzugehen. Vielleicht haben Therapeuten deshalb so einen Wahnsinnszulauf. Vielleicht müssen wir anfangen Kinder zu lehren, wie kostbar dieses Denken ist, wie einzigartig und wie unwiederbringlich.

Ich liebe all mein Denken im Kopf. Ja, es treibt mich in den Wahnsinn, nachts, wenn ich erwache, nicht wieder einschlafen kann und meine Gedanken ihre endlos erscheinenden Kreise zu ziehen beginnen.
Und ja, es macht mir Angst, wenn mein Denken eine Zukunft ausmalt, die mir Schauer über den den Rücken jagt.
Manchmal hasse ich meine Gedanken, wenn sie zu wahr sind, zu ehrlich und nicht in die Richtung treiben wollen, die ich für sie vorgesehen habe.
Doch letztlich liebe ich das Denken in meinem Kopf, denn das bin ICH.

Geankenfülle, Gedankenenge, Gedankenvielfalt - sie  gehören mir und es gibt Augenblicke, in denen ich spüre, wie mich nervtötende Gedanken - nahezu irre machende, stets wiederkehrende Gedankengänge - mich letztlich weiter bringen. Mich formen, mich prägen, mich wandeln lassen.

Ich hatte viel Zeit in den letzten Wochen. Viel Zeit für all mein Denken im Kopf und es hat mir weh, aber auch sehr gut getan.

Und letztlich geben Gedanken Kraft. Kraft und Mut und Hoffnung.
Es geht mir gut - jetzt, wieder!


augenBloglich 06.08.2005, 20.10| (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Gedanken

der Körper, das Essen und ich

Irgendwann - im Laufe meiner Sorgen - gingen die Gedanken an das Abnehmen unter, schienen verloren, teils gar unsinnig, unnütz, nicht von Bedeutung. Die Anzahl meiner Stunden im Fitnessstudio nahm am. An zwei Tagen die Woche schaffte ich es immer, mehr kam seltener vor. Die Waage jedoch honirierte das gar und ich nahm langsam, sehr langsam weiter ab.
Ich wog mich nur noch selten. Das Bewusstsein für alles Körperliche war vorerst in den Hintergrund gerückt. Dennoch platzte ich dann eines Tages schier vor Freude, als die Waage, unerwartet und unerhofft, 78 Kilo zeigte.
Seitdem dümple ich so zwischen 78 und 80 Kilo dumpf vor mich hin.

Ich habe mich vom puren Fettsein auf das wesentlich angenehmere Dicksein reduzieren können. Der Schritt, den ich nun wagen möchte ist der, vom Dicksein, über das Molligsein zum Schlanksein zu gelangen.

Nach wie vor höre ich natürlich andere Menschen gerne sagen: "Mensch, Du bist aber schlank geworden!" So, als ginge es lediglich darum, anderen Menschen zu gefallen. Mich regt das jedesmal wieder auf, wenn ich mich darüber so sehr freue, denn letztlich sollte es keine Rolle spielen was die anderen denken, sagen, meinen, sehen.

Es geht um mein Wohlgefühl und ich fühle mich ganz eindeutig wohler, besser, gesünder und ein klein wenig fitter.
Mein Asthmamedikamentenkonsum geht gegen Null. Allein diese Tatsache ist schier unglaublich und lässt mich wissen, dass es genau der richtige Weg ist, den ich da eingeschlagen habe.

Die letzten Wochen haben mir gezeigt, dass sich dieser Weg auch auch ohne beständigen Enthusiasmus beschreiten lässt. Dass er nicht immer der vordergründige sein muss.

Es reicht, ihn im Blickwinkel zu wissen, ihn nicht gänzlich aus den Augen zu verlieren.


augenBloglich 06.08.2005, 20.01| (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: körperlich

abgetaucht - aufgetaucht

Es gibt einfach Zeiten, da überfällt mich das reale Leben mit einer solchen Fülle an Sorgen, an Problemen, an Krisen und Schmerzen, die - zusammen genommen - bewirken, dass mein Blogzuhause einfach eine Weile leer stehen muss.

Doch wie mit dem realen Zuhause ergeht es mir hier so, dass ich mich auch nach längerer Abwesenheit gleich wieder wohl fühle. Heimisch. Angekommen.

Zwischenzeitlich hat hier zwar jemand sein Unwesen getrieben, aber lediglich Spuren hinterlassen, die zu beseitigen wenige Augenblicke und ein paar Klicks bedurften.

In diesem Sinne habe ich vieles zu erzählen. Zu berichten - und letztlich aber auch im Herzen zu verschließen......

augenBloglich 06.08.2005, 19.25| (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Augenblicke

ach herrje

Wie schaut's denn hier aus?
:-(
Zeit aufzuräumen, oder?

augenBloglich 06.08.2005, 17.28| (2/2) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: InterNETTiges

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Marie
Toll, dass Du wieder bloggst!
Ich wünsche Dir ein frohes neues Jahr und hoffe, ich lese Dich nun wieder regelmäßig!
2.1.2015-4:56
Hanna
Nochmal herzlichen Dank für die Hilfe und du hast einen sehr tollen Blog ! (:
26.11.2011-16:21
Gartenfee
Hi, bist du gar nicht mehr hier am Werk??? Das wäre aber schaade.
25.2.2011-23:00
patricia
wie heißt deine lehrerin!!!!!!!!
1.3.2008-16:20
NIcole
Hey, ich find das super das Du Dich durchgesetzt hast bei den anderen Müttern. Ist doch egal was die sagen. Bin stolz auf Dich. lieben Gruß
NIcki
30.3.2007-9:25