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Einträge vom: 05.05.2005

im Schwimmbad

Natürlich war es ein undurchdachtes und wagemutiges Unternehmen, alleine mit unseren beiden wohlerzogenen Töchtern das Schwimm- und Spaßbad der Nachbarstadt aufzusuchen. Der erste Streit begann beim Einladen des Autos, da unsere beiden - wie bereits erwähnt wohlerzogenen - Töchter sich nicht so ganz einigen konnten, wer denn nun die Schwimmnudel tragen darf. Ich hingegen hatte keinerlei Mühe mich zu einigen, und da eh schon als Packesel missbraucht, spielte so eine ellenlange Schwimmnudel nun auch keine größere Rolle mehr, ich schob sie mir unter den Arm.
Daraufhin, wieso nur war das absehbar?, verbündeten sich die zuvor verfeindeten Töchter und versuchten nun ihrerseits mir die olle Nudel zu entreißen.
Woraufhin bei mir bereits Genervtheitszustand I ausbrach und ich nahe davor war das Unternehmen abzublasen.

Im Auto kann man sich übrigens auch wunderbar streiten. Musik an. Musik aus. Singen ja. Singen nein. Singen nur alleine. Singen ohne Schwester, aber mit Mutter. Singen ohne Mutter, aber mit Schwester. Alleine Singen. Gar nichts singen. Der Variationen sind keinerlei Grenzen gesetzt. Körper und Geist traten also schnell in den Genervtheitszustand II.

Auf dem Parkplatz dann die nächste hitzige Diskussion. Schwimmnudel kleine Schwester. Schwimmnudel große Schwester. Schwimmnudel Mama. Schwimmnudel auf keinen Fall Mama. Weg über die Stufen, Weg nicht über die Stufen. Weg über die Wiese. Weg nicht über die Wiese.

Ich begann meine Ohren auf Durchzug zu stellen. Schnappte mir Nudel und Gedöns und marschierte los, in der Hoffnung, dass meine (nach wie vor wohlerzogenen Töchter) mir folgen würden. Dies taten sie und so passierten wir irgendwann das Kassenhäuschen.

Wer auch immer das Konzept der Schwimmhalle entworfen hat, war noch nie mit zwei Kleinkindern dort. Neben der Kasse: Ein Eisstand.
Natürlich wollten meine Töchter Eis. Natürlich kaufte ich keines. Natürlich waren meine Kinder sauer. Natürlich teilten sie ihrer Umwelt mit, wie sauer sie waren und dass ihre Mama ihnen ja nie, nie, nie Eis kauft.
Natürlich erhielten sie das Mitleid der uns fremden Mitmenschen, während ich mich mit bösen Blicken derselben zufrieden geben musste.

Locker bleiben. Der eigentliche Spaß hatte ja noch gar nicht begonnen.

Wer auch immer das Konzept der Umkleiden entworfen hat, war ebenfalls noch nie mit zwei Kleinkindern dort. Nennen wir es mal: bedrängende und unheilvolle Enge. Zwischen Menschen und Schränken und auf ca. 50 cm X 50 cm wagten wir den Versuch uns umzuziehen.
Kind 1 blieb im Pulli stecken und begann zu schreien. Kind 2 bekam seinen Schuh nicht aus und begann zu schreien. Die Mitmenschen fühlen sich - zu Recht - genervt und fingen an zu pampen.

Es wird ungefähr zu dieser Zeit gewesen sein, als ich den Genervtheitszustand III bei mir ankriseln spürte.
Kind 1, mittlerweile im Badeanzug, teilte allen Umwesenden mit, dass es zur Toilette müsse, während Kind 2 noch nackt schrie: "Lass mich nicht allein hier, Mama!" Selbige, also die Mama, stand mit heruntergelassenen Hosen und auf halb acht hängendem Shirt zwischen den verteilten Kleidungsstücken der Kinder auf der Riesenfläche von nunmehr noch 30 cm X 30 cm und bemühte sich, den Überblick zu behalten.

Kind 1 wurde angewiesen, das Pipi anzuhalten. Kind 2 schnellstens in den Badeanzug gepfropft. Mutter selbst bemühte sich, die Sachen in den winzig winzig Schrank zu stopfen, sich selbst in den Badeanzug zu drängen, alles Überlebenswichtige in die Tasche zu stecken und durch den Wust von Menschenbeinen hindurch zu einer Toilette zu eilen.

Der Weg zur Toilette war zu lang, wieder so ein Konzeptfehler, aber wie meinte Kind 1 doch so schön: "Ist ja nicht schlimm, der Badeanzug wird ja eh gleich nass!"


Schön auch die recht vollen Becken. Glücklicherweise habe ich zwei Arme. Kind 1 konnte somit immer mit links, Kind 2 mit rechts aus den diversen Gewässern gefischt werden.

Wenn mir nicht meine eigenen Kinder vom Beckenrand her auf den Kopf, wahlweise den Rücken oder sonstige Körperteile, sprangen, so waren es mir gänzlich unbekannte Kinder.
Ein Problem war die Schwimmnudel, die neben Kind 1 und Kind 2 unter keinen Arm mehr passte. Hin und wieder wurde sie wildfremden Menschen, unbeabsichtigt, aber durchaus vorhersehbar, vor den Kopf oder sonstwo hin gestoßen, so dass ich mit einem entschuldigendem Dauerlächeln und den üblichen Entschuldigungsformeln auf den Lippen durch die Gewässer zog.

Das pullewarme Wasser ermüdete meinen Geist und meine Glieder sehr schnell, während meine Töchter zur Höchstform aufliefen. Stets in Panik eines meiner Kinder aus den Augen zu verlieren, mutierte ich zu einem Wesen mit hundertsiebzig Armen (mindestens), dreihundert Augen und ebenso vielen Händen, Füßen und Sensoren.

Kind 1 sprang stets und ständig von überall her überall hin, während Kind 2 gerne mal fremde Menschen ansprach und unser halbes Leben ausplauderte. Zwischendurch ärgerte ich mich über die unerzogenen Kinder anderer Menschen, die mich nass spritzten, besprangen, ansprachen, voll laberten - alles Dinge, die MEINE Kinder selbstverständlich nie tun.
;-)

Hier und da ereilte mich der Toilettenruf meiner Kinder, meist zu spät, es folgte dann immer die lautstarke Erklärung einer meiner Töchter, so dass nun alle Schwimmbadbesucher annehmen müssen, meinen Kindern ist keine Toilette bekannt.

Die Schwimmflügel schnitten hin und wieder anderen Menschen in Arme, Beine, auch mal in den Po. Meine Entschuldigung kam schon automatisiert über meine Lippen, während mein verzweifelter Blick zu der einzigen Uhr im Bad eilte. Ein weitere Konzeptfehler, da die Uhr ganz offensichtlich nicht für kurzsichtige Mütter mit zwei Kleinkindern erschaffen wurde und ich die Zeiger nur erahnen konnte.

Es muss zum Zeitpunkt des Genervtheitszustandes VI gewesen sein, als ich beschloss, unsere Zeit sei um.

Schlagartig näherten wir uns damit dem Höhepunkt des Badbesuches: Das Duschen mit zwei Kleinkindern in einer völlig überfüllten Dusche mit der Ankündigung von Muttern, dass nun die Haare gewaschen werden!

Ich habe infolgedessen den Genervtheitszustand VII komplett überspungen und bin in die Abteilung "kurz vor dem Nervenzusammenbruch" geplumpst.
Mein Gedächtnis hat gnädigerweise die Duschszene und das darauf folgende Abtrocknungs- und Anziehspektakel verdrängt.

Ich kann mich lediglich daran erinnern, irgendwann schlapp, müde und am Ende meiner Kräfte auf einem Stuhl vor dem Eisstand gesessen zu haben. Neben mir zwei zauberhafte liebe, eisschleckende Wesen: Meine Töchter.

Keine Ahnung, wie wir nach Hause kamen. Hier sind wir nun. Die Kinder: top munter. Die Mutter fertiger als nach zig Wirbelsäulengymnastiken und Co.

Ich kann nur hoffen, dass ich neben all den Nerven auch mindestens 10.000 Kalorien verloren habe.

"Mama, das war toll, ne?"
"Auf jeden Fall, ich kann mir nichts Schöneres vorstellen, mein Kind!"
Mir sei die Lüge verziehen.

augenBloglich 05.05.2005, 18.54| (4/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Erlebnisse

Wirbelsäulengymnastik II

Das imganiäre Gänseblümchen wies mich an, all meinen Mut und meinen Elan zusammen zu kratzen und einen weiteren Versuch zu wagen.
Es begann sehr gut: Wir mussten uns nämlich kein Steppbrett nehmen. In meiner Ahnungslosigkeit nahm ich an, nun würde alles gut, aber ich sollte schnell eines besseren belehrt werden.
Auf die laute, hämmernde Musik war ich ja nun vorbereitet und die ersten Schritte bekam ich souverän hin.

Leider wurde die Schrittfolge rasant komplizierter und ich - als sowieso stete links-rechts-Verwechslerin - machte schon bald irgendetwas, nur, um nicht als stehend und nichtstuend aufzufallen.
In der hinteren Reihe stehend erfand ich einfach meine eigene Schrittkombination mit der ich bestens zurecht kam.

Der Blick auf den überdimensionalen Spiegel war mir - glücklicherweise - in der hintersten Reihe verwehrt und so nahm ich an, ich sei nahezu unsichtbar.
Erwähnte ich, dass die Trainerin über ein Micro verfügt?
Nun, es schallt ziemlich durch den großen Raum und es entbehrt nicht einer gewissen Peinlichkeit, wenn man seinen eigenen Namen durch den Raum wabern hört, gepaart mit der Frage. "WAS machst du da, Susanne!?"


Was sollte ich schon machen? Ich bemühte mich krampfhaft so auszusehen, als käme ich klar und versuchte mein Ganzundgarnichtklarkommen mehr oder weniger geschickt zu vertuschen.
Es lief wohl auf weniger geschickt heraus, aber nun ja, der gute Wille war da.

Die Arme. Natürlich geht nichts ohne Arme, also nahm ich sie diesmal mit. Ich schaute erst gar nicht nach vorne. Meine Schritte waren eine Eigenkombi, da konnten die Arme genausogut selbstständig kreativ werden und individuell durch die Luft wabern.
Meine Nachbarin schaute einige Male sichtlich irritiert, aber zu meinem großen Vergnügen dachte sie wohl irrigerweise, meine Bewegungen seien die richtigen und versuchte sich nun fortan auch an meinen eigenwilligen Schritten.

Die Drehungen ließ ich weg. Kaum hatten die anderen gedreht, merkte ich nämlich erst, dass ich hätte drehen müssen. Drehung geschenkt. Aber ich beugte und bückte, ich steppte und schritt und stand ich jeweils konträr zu den anderen: Ich wurde warm und das, so sagte ich mir, war schließlich das Ziel der ganzen Sache.

Die eigentliche Wirbelsäulengymnastik war bitter. Erstens war mein Bauch durchaus bei jeder zweiten Übung im Weg, zweitens konnte ich nur ächzenderweise Übungen durchhalten wie:

Legt eucht in die Bauchlage. Bei drei hebt ihr das rechte Bein, den linken Arm. Oben lassen, oben lassen, oben lassen. So und nun noch das linke Bein und den rechten Arm heben. Halten. HALTEN.
H A L T E N.

Na klar, ich habe einen üppigen Bauch, aber so als Schaukel missbraucht machte der ganz schöne Zicken.
Ich keuchte, ich ächzte, ich stöhnte.

"Ja, Leute, stöhnt und keucht. Richtig Susanne, lass es raus!"
Klar doch, vielen Dank auch für das häufige direkte Ansprechen. Endlich kennt mich wirklich jeder in diesem ganzen Riesenstudio.

Tapfer und eisern hielt ich durch. Ich blamierte mich, ich lernte, ich schwitzte, ich fragte mich, warum zum Teufel ich mir diesen Mist antue, ich zappelte, ich wackelte, ich jammerte, ich keuchte, ich stöhnte, ich stärkte meinen Rücken und nicht zuletzt mein Selbstvertrauen.

Denn: Durchhalten ist alles! Oder?

augenBloglich 05.05.2005, 07.20| (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: körperlich

Erziehungstipps

Gestern erhielt ich - ungewollt, was sonst - eine Hand voll Erziehungstipps für unsere hin und wieder trotzende Dreijährige.

"Meine hat einmal getrotzt und dann nie wieder. Der hab ich direkt den Arsch versohlt und dann war Ruhe!"

"Konsequenzen sind alles. Unsere hat mal vor Trotz auf die Stufen gekotzt. Da war die so drei oder vier. Der hab ich einen kleinen Kochtopf in die Hand gedrückt, einen Kochlöffel und dann konnte sie ihre Kotze wieder einsammeln. Datt hat die sich gemerkt, datt glaub mal. Kam nie wieder vor!"

"Trotzen, wo gibt es datt denn? Ein paar auf den Hintern und dann ist Ruhe!"

ohne weiteren Kommentar meinerseits


augenBloglich 05.05.2005, 07.05| (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Nachwuchs

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Marie
Toll, dass Du wieder bloggst!
Ich wünsche Dir ein frohes neues Jahr und hoffe, ich lese Dich nun wieder regelmäßig!
2.1.2015-4:56
Hanna
Nochmal herzlichen Dank für die Hilfe und du hast einen sehr tollen Blog ! (:
26.11.2011-16:21
Gartenfee
Hi, bist du gar nicht mehr hier am Werk??? Das wäre aber schaade.
25.2.2011-23:00
patricia
wie heißt deine lehrerin!!!!!!!!
1.3.2008-16:20
NIcole
Hey, ich find das super das Du Dich durchgesetzt hast bei den anderen Müttern. Ist doch egal was die sagen. Bin stolz auf Dich. lieben Gruß
NIcki
30.3.2007-9:25