Fitnessstudios waren mir von jeher ein Greuel. Die Gründe liegen auf der Hand, man muss sich anstrengen, vermutlich schwitzen, Frauen in knappen, engen und figurbetonten Minifetzelchen anstarren und sich der eigenen Körperlichkeit permanent bewusst werden. Nichts für mich also. Also reihte ich mich ein, in die Klischee- und Vorurteilstratscher. Es war klar: Ein Fitnessstudio und ich sind nicht kompatibel. Praktischerweise konnte ich auch lange Zeit die Finanzen vorschieben, weil der "Spaß" ja kostet.
Nun habe ich mit mir gerungen. Mehrere Tage lang. Innere Kämpfe, Diskussionen mit der besten Freundin, die mich seit Jahren unermüdlich dazu bringen möchte, in "ihr" Fitnessstudio zu kommen...
"Ihr" Fitnessstudio ist ein reines Frauenstudio, liegt so gut wie um die Ecke, ist äußerst kostengünstig, hat eine Saune und bietet zahlreiche Kurse für abnehmwillige Frauen. Zudem bietet es Yoga! Mein Strohhalm, denn Yoga praktiziere ich seit Jahren, es entspannt mich, gibt mir Kraft und kostet keinen Schweiß....
Ich werde mich also dort anmelden. Die Tragweite dieses Schrittes ist mir durchaus bewusst. Ich will. Sozusagen.
Angedacht sind zwei Abende in der Woche, ich kann nicht sagen, was genau daraus wird. Aber es ist der nächste, ganz kleine Schritt. Herauskommen. Aktiv werden. Etwas für MICH tun. Ohne Schuldgefühle. Im Gegenteil. Ich bin gespannt. Und wie!
augenBloglich 31.03.2005, 18.52| (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: körperlich
Ich war seit Ewigkeiten nicht mehr in der Sauna. Früher, als ich regelmäßig zwei bis dreimal in der Woche die Sauna besuchte, tat mir das immer so richtig gut. Es war eine kleine, aber feine und zudem äußerst wirkungsvolle Wohlfühlinsel im Alltagsstress und ich habe meine Saunaabende sehr genossen. Mal mit Freundin, mal alleine, es war immer eine Energietankstelle für mich. Zuerst gaben es unsere Finanzen eine Weile nicht her, weiterhin derart oft und regelmäßig die Sauna zu besuchen. Später dann fand sich nichts geeignetes in der näheren Umgebung, noch später fehlte die Motivation mich abends aufzuraffen.
Das eigentliche Problem. Dann nämlich, wenn ich wie erschossen bin vom Tagesgeschehen, noch einmal den Willen aufzubringen die Wohnung zu verlassen. Sonderbar, denn heute freue ich mich einfach nur ganz arg, dass ich gleich eine liebe Freundin abholen und mir ihr in die Sauna gehen werde....
Es ist ein Anfang und nur ein kleiner, bescheidener Schritt in die Richtung, mehr Acht auf mich selbst zu nehmen. Etwas, das ich vermieden habe in den letzten fünf Jahren. Ob bewusst oder unbewusst, das vermag ich nicht konkret zu sagen.
augenBloglich 31.03.2005, 18.45| (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Alltagskram
Dienstag Abend genoss ich das Bryan Adams Konzert in Oberhausen. Es war genau sechs Jahre her, seit ich das letzte Mal auf einem Konzert gewesen bin. Damals war es ebenfalls Oberhausen. R.E.M. Vor sechs Jahren stand ich dort in der Halle mit jenem Mann, den ich vier Wochen zuvor geheiratet, eine Woche zuvor verlassen hatte. Die Situation war eine merkwürdige. Die Stimmung, die Spannung zwischen uns.......
In diesem Jahr war ich mit lieben Freunden unterwegs. Wir standen im Innenraum und ich beobachtete die Menschen um mich herum. Ich liebe es dazustehen, zu beobachten, zu betrachten, zu schauen. Stimmungen zu erahnen, zu spüren - Gesprächsfetzen aufzufangen - mich lebend zu fühlen.
Es war ebenfalls wieder ein sonderbares Konzert. Nicht das Konzert an sich, das war phantastisch, sondern mein Innenleben, das war das Sonderbare. Meine Gedanken, die bei jedem Lied zu anderen Begebenheiten meiner Vergangenheit gelenkt wurden, meine Gefühle und das nicht aufhören wollende Denken und Überlegen. Mein Jetzt und Hier hinterfragen.
Als ich das erste Mal Bryan Adams hörte war ich ca. 15. Seine songs haben mich bis heute begleitet und es gibt einige, die eine ganz besondere Bedeutung für mich haben. Texte, die auf eine Lebensituation passen, ebenso wie sonst Gedichte.
Das Mitklatschen, Mitsingen, Mitfühlen lenkte nicht von meinen Gedanken ab. Ich sah all die schlanken Frauen um mich herum und ihre Kleidung. Ich sah ebenfalls andere Frauen und ihre Kleidung und ich sah mich, in meiner Verkleidung, weil ich das, was ich tragen würde, sofern ich dünner wäre, nicht tragen kann, weil ich eben dick bin.
Ich dachte daran, dass ich im Sommer 36 bin. Daran, was ich bislang aus meinem Leben gemacht habe. Daran, was ich mir wünsche und erhoffe.
Und mir wurde klar, dass niemand kommen wird, mich an die Hand zu nehmen um mich auf den Weg zu geleiten, meinen Wünschen und Idealen, meinen Träumen näher zu kommen. Niemand macht mich glücklich, weil glücklich sein ein aktiver Prozess ist. Und nur ich allein habe es in der Hand meine Wünsche auf den Weg zu bringen.
Und während ich das Konzert genoss und die Atmosphäre, sprach mein Kopf mit meinem Herzen und beide machten mir klar, dass nur ich allein einen Wendepunkt herbei führen kann. Nur dann, wenn ich meine Lethargie abschüttle, aktiv werde und bereit bin Unbequemlicheiten in Kauf zu nehmen.
Nur? Was sind meine Träume, Ziele, Wünsche? Habe ich sie je klar formuliert? Ist es nicht heute dies, morgen das? Verhaddle ich mich nicht dauernd in neuen Ideen und Projekten, die vom Kern meiner Wünsche abweichen, ablenken, lediglich Löcher stopfen?
Viele Gedanken für ein Konzert. Und doch markiert der Abend so etwas wie einen Wendepunkt. Ich weiß, ich will mich nicht länger in Nichtigkeiten verlieren. Ich möchte nicht, dass das Alltagschaos mich beherrscht. Ich möchte mich nicht länger in Rollen verlieren, über die ich zu Bestätigung erlange, ich möchte endlich wieder anfangen zu leben.
Dazu gehört das Abnehmen. Das wurde mir an diesem Abend zunehmend deutlicher. Mein Leben wird nicht besser, anders oder attraktiver durch ein schlankes ich, aber ICH ändere mich und das ist entscheidend. Nicht meine Umgebung muss sich ändern, ICH bin es, die sich ändern muss.
Und ich muss mehr Nischen für mich finden. Ich meine nicht das vor dem PC sitzen. Im Gegenteil, das ist genau ein Punkt, der mich passiv werden lässt. Sitzen, Zeit vetrödeln, ja nicht aktiv werden. Bequem.
Ich meine nicht das Schreiben hier, das mir ja ein inneres Bedürfnis ist, nein, ich meine das hier und dort klicken und sich in Sinnlosem verlieren.
Noch eine Entscheidung habe ich getroffen. Ich muss auch körperlich aktiv werden. Da hilft nichts. Klar ist das Verstecken hinter: "Ich hasse Sport!" einfach und leicht und ach so bequem. Und natürlich hasse ich Sport, weil ich zu dick dafür bin, keine Ausdauer habe und mich anstrengen muss.
Das was ich will, ist ganz einfach auf einen Punkt zu bringen: Ich will das äußere ICH, das mein inneres Ich zeigt. Ich will so werden, wie ich längst bin: In Gedanken. Ich möchte ausbrechen aus dem Passivsein, Ausbrechen aus dem Verlieren in Job und Muttersein. Ich will einfach leben, glücklich leben.
Erste Schritte sind getan und ich fühle mich tatsächlich wie an einem Wendepunkt. Die Euphorie wird jedoch überschattet. ANGST heißt das Machtwort. Angst davor, wieder aufzuhören bevor ich angefangen habe. Angst, das bequeme Passivsein wieder allbeherrschend werden zu lassen.
Angst, die Bequemlichkeit zu vermissen, ihr Vorrang zu gewähren.
ANGST ist aber durchaus auch eine Antriebsfeder. Ich werde sehen, ob es mir gelingt, mich meinen Träumen zu nähern.
augenBloglich 31.03.2005, 10.29| (5/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Erlebnisse