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Einträge vom: 01.03.2005

Schauplatz Leben

Mir kommt es oft so vor, als sei das Leben ein abwechslungsreiches, stetes Schauspiel. Selbstverständlich empfinde ich dies nur in jenen Augenblicken so, in denen ich aus der Perspektive des Betrachters im Publikum sitzen darf.

Heute morgen geschah mir folgendes.

Auf dem Weg zur Arbeit überfiel mich mit einem Mal so ein kleinerer bis größerer Hunger. Gänzlich ungeplant hielt ich an einer kleinen Bäckerei, mir völlig unbekannt, nicht in "unserer" Stadt, sondern eben unterwegs. Ich trat herein in die warme Verkaufsstube und direkt hinter mir folgten ein humpelnder Mann und eine drängelde ältere Dame.

Kaum waren wir alle drinnen, die Türe geschlossen, keifte die Drängeldame, den Herrn an:

"Müssen Sie eigentlich immer Ihren Wagen anlassen und das, wo Sie sowieso so langsam sind mit Ihrem Klumpfuß?"

"Wagen anlassen, Wagen anlassen!", keifte der Mann zurück und sein Tonfall geriet schon in die Maximalzone. "Wenn Sie kein Strom hätten, täten Sie das auch so machen!", verteidigte sich der Mann, der mir, trotz der Laustärke irgendwie sympathischer war als die Drängeldame.

Diese erwiderte jedoch prompt: "Das stinkt bis zum Himmel und bis in unser Wohnzimmer. So oft habe ich Ihnen das schon gesagt, stellen Sie gefälligst den verdammten Motor aus!"

"Wie denn, ohne Strom?", wütete der Mann zurück und ich konnte seiner Argumentationslinie nicht wirklich folgen.

Die Bäckereidame vergaß, mich zu bedienen, sie und ich waren zu sehr damit beschäftigt, hemmungslos den Streit zu verfolgen. Doch die Drängeldame hatte auch mir etwas zu sagen:

"Wollense nu watt oder nich?"

Selbstverständlich wollte ich, beeilte mich mit meiner Bestellung und verfolgte weiter gebannt das Schauspiel, ehe ich mich aufraffen und zur Schule musste.

Den ganzen restlichen Weg über beschäftigte ich mich in Gedanken mit jenen beiden Menschen und fand den Vorfall ebenso alltäglich, wie spannend.

Das Leben als Schauspiel. Alles eine Frage der Perspektive.

augenBloglich 01.03.2005, 20.24| (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Alltagskram

Das Mädchen im roten Mantel

Ich kann es nicht erkären. Seit Wochen liegt Schätzings "Schwarm" hier herum und ich verspüre einfach nicht die Lust, diesen Wälzer in Angriff zu nehmen. Immerhin habe ich bereits die Danksagung gelesen und war gefesselt von der der Liebeserklärung des Autors an seine Frau. Dennoch, das Buch liegt neben meinem Bett und wird verschmäht. Ich bilde mir ein, es sei ein Sommerferienbuch, so ein Quatsch. Nun ja. Es sind nicht die wahnsinnig vielen Seiten. Die Dicke eines Buches hat mich noch nie geschreckt. Es ist eher so die Furcht, mich furchtbar zu langweilen.

Darum habe ich jetzt ersteinmal zu diesem Buch hier gegriffen:

"Straße für Straße, Haus für Haus werden wir eingekreist. Wir versuchen dem Stern gleich zu sein, nicht vorhanden zu sein. Und nie die Hand loszulassen, die wir umklammern. Wenn man sie loslässt, ist sie im nächsten Augenblick vielleicht verschwunden. Menschen gehen und kommen einfach nicht wieder."

Roma Ligocka ist zwei Jahre alt, als alle Juden aus Krakau und Umgebung im Ghetto zusammen gepfercht werden. Wie durch ein Wunder überlebt sie.

Die wahre Geschichte der Frau, deren Schicksal Steven Spielberg in seinem Film "Schindlers Liste" zu der bewegenden Figur des Mädchens im roten Mantel inspirierte.

augenBloglich 01.03.2005, 18.38| (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Bücher

Übersetzungshilfe II - Außeneinsatz

Bevor Sie die folgenden, nach wie vor unvollständigen Tipps und Hinweise zum Verständnis des trotzenden, dreijährigen Kindes lesen, nehmen Sie bitte zur Kenntnis, dass es weitaus sinnvoller ist, Situationen, die die Tipps erforderlich machen schon im Vorfeld zu umgehen.

Sprich: Lassen Sie das Trotzkind besser zu Hause (günstigerweise in der Obhut von nervenstarken Mitmenschen), wenn es Sie in den Supermarkt Ihrer Wahl drängt.

Gelangen Sie dennoch einmal in die Notsituation mit besagtem Kind einkaufen gehen zu müssen, bedenken Sie folgendes:

1. Das Kind wird in den Sitz des Einkaufswagens wollen und dies lautstark und bevorzugt hysterisch schreiend kund tun.

Setzen Sie das Kind in den Sitz, wird es diesen für zu eng und sehr unbequem befinden und dies ebenfalls schreiend (nur ein klein wenig lauter und nörgelnder als zuvor) äußern. Nehmen Sie daraufhin das Kind wieder aus dem Wagen wird es heftigst strampeln und somit seinen Unmut zeigen. Wahlweise lässt es sich daraufhin auf den Boden fallen oder es setzt sich in eine nahegelegene Pfütze.

Rufen Sie in diesem Falle nicht: "Komm jetzt her!"  ins Dreitrotzhochdeutsch übersetzt heißt dies: "Suhl dich auf jeden Fall noch mehr im Dreck!"

[Wählen Sie übrigens die Variante, das Kind erst gar nicht in den Einkaufswagen zu setzen, werden Sie während des gesamten Einkaufs mit verbalen Attacken dieses Kindes überschüttet werden, die alle darauf abzielen, sämtlichen einkaufenden Mitmenschen klar zu machen, welch eine Rabenmutter Sie sind.]

2. Verbieten Sie dem Trotzkopf nie: "Hör auf am Wagen herum zu turnen!" dies klingt in den Ohren eines dreijährigen Kindes wie die frohlockende Botschaft: "Toll, wie du turnen kannst, ich würde gerne weitere akrobatische Kunststücke sehen!

3. Die bittend oder gar fordernd vorgebrachte Aufforderung: "Bleib bitte bei mir!" schlucken Sie bitte direkt hinunter. Das Kind wird sich daraufhin animiert fühlen im Eiltempo durch den Laden zu rennen und hier und dort kunstvoll Gestapeltes umzurennen - unabsichtlich - versteht sich.

4. Die Äußerung: "Jetzt hab ich aber genug!"  wird, was naheliegend ist, damit gleichgesetzt, dass Ihr Einkauf beendet und das Kind somit auf den Parkplatz rennen darf.

5. "Nein, das brauchen wir nicht!" ist ein Hinweis, der erst gar nicht ins Ohr des Kindes Eingang findet. Er gehört zu jenen Hinweisen, der die firewall der trotzenden Dreijährigen nicht überwindet. Ersparen Sie sich also die Mühe, Ihre Energie benötigen Sie für das Auspacken sämtlicher überflüssiger Waren aus Ihrem Einkaufskorb, die Sie anschließend selbstverständlich wieder íns richtige Regal packen müssen, während das Kind heulend und kreischend am Einkaufswagen baumelt. Achtung: In diesem Moment könnte dies bei Miteinkaufenden den Eindruck erwecken, als misshandelten Sie Ihr Kind. Ignorieren Sie entsprechende Blicke oder strecken Sie üblen Zurufern einfach die Zunge heraus.

6. Wundern Sie sich niemals darüber, dass Ihr Kind zwar zu Hause Sprachabnormitäten aufweist, während des Einkaufens aber schokotechnische Raffinessen wie Toffifee fehlerfrei ausprechen kann. Die Ihnen auf der Zunge liegenden Wort: "Nein, das brauchen wir nicht!"  prallen - wie beschrieben - wenig eindrucksvoll am Kinde ab. Kaufen Sie die Toffifee und vertrauen Sie sich später Ihrem Blog an, dass Sie quasi von Ihrem Kinde gezwungen werden Toffifee zu essen.

7. "Schatz, du stehst im Weg!" löst bei diesen Dreijährigen den Reflex aus, sich noch ein wenig unvorteilhafter in den Weg zu stellen und Vorbeiwollenden penetrant in den Wagen zu schauen, dabei wahlweise "Warum ist die Frau so hässlich, Mama?" oder "Mama, warum pupt der Mann?" zu äußern.

8. "Wir müssen uns anstellen!"  können Sie zwar gerne mantramäßig wiederholen, aber das wird Ihnen wenig nützen und das Trotzkind nicht davon abhalten die Vorwartenden ein bisschen anzudrängeln, vorbeizudrängeln, herum zu tollen und den engen Kassenbereich ein wenig Leben einzuhauchen.

9. Sie können sicher sein, dass das Kind, Sekunden  bevor Sie an der Reihe wären, durch die Einkaufshallen plärrt: "MAAAAMMMA; ich muss Pipi! Mama, danz nötig!" Sie befinden sich selbstverständlich in einer toilettenfreien Zone. Vermeiden Sie den Spruch: "Halt noch einen Moment an!" , da dieser besagte Körpersäfte zum Fließen bringt und Sie das in eine unangenehme Situation bringt. Lassen Sie besser alles stehen und liegen, eilen nach draußen in die Kälte (wahlweise Hitze) und versuchen Sie einen Baum, Strauch irgendwas zu finden, um Ihr Kind abzuhalten. Lassen Sie sich nicht aus der Ruhe bringen, wenn das Kind "Ich muss doch nicht!" äußert.

10. Ignorieren Sie bösartige Hinweise auf den Erziehungsnotstand in Ihrem Hause und lächeln Sie allen Tippgebern unverbindlich ins Gesicht. Klemmen Sie sich Ihr Kind unter den einen, die Einkäufe unter den anderen Arm und suchen Sie das Weite.

11. Schwören Sie sich selbst, dass Sie alles dafür tun werden, Situationen wie die beschriebene zu vermeiden.

augenBloglich 01.03.2005, 14.58| (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Nachwuchs

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Marie
Toll, dass Du wieder bloggst!
Ich wünsche Dir ein frohes neues Jahr und hoffe, ich lese Dich nun wieder regelmäßig!
2.1.2015-4:56
Hanna
Nochmal herzlichen Dank für die Hilfe und du hast einen sehr tollen Blog ! (:
26.11.2011-16:21
Gartenfee
Hi, bist du gar nicht mehr hier am Werk??? Das wäre aber schaade.
25.2.2011-23:00
patricia
wie heißt deine lehrerin!!!!!!!!
1.3.2008-16:20
NIcole
Hey, ich find das super das Du Dich durchgesetzt hast bei den anderen Müttern. Ist doch egal was die sagen. Bin stolz auf Dich. lieben Gruß
NIcki
30.3.2007-9:25