Wenn, dann abends oder nachts überfällt mich eine Ungeduld und ich bin des Wartens überdrüssig. Ich will wissen woran ich bin, will wissen, wie es weitergehen wird, will wissen, wie übel mein Tun war, welche Strafe angemessen, wie groß meine Schuld.
Das tägliche Leeren des Briefkastens wird zur Qual. Mit schweißnassen Händen öffne ich ihn, sehe hastig die Post durch, stets in der bangen Erwartung dort einen Brief vorzufinden, der mir offenbart, wie über mich geurteilt wird.
In Kürze endet die Sommerpause. Hoffentlich auch bald die Ungewissheit.
augenBloglich 26.08.2004, 20.57| (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Augenblicke
Es gibt Begebenheiten bei denen ich verwundert vor mir selber stehe und mich frage, wann ich meine persönliche, innere Entwicklung verpasst habe. Gestern erst begegnete ich einem mir bis dato völlig fremdem "ich".
Mit vollbepackten Händen lud ich soeben Kinder, Kinderwagen und Schwimmzeugs ins Auto, als ein ausländischer, kleiner Junge mich ansprach und bat, einmal telefonieren zu dürfen. Der Junge war gemeinsam mit seiner Mutter unterwegs und beide versicherten mir, sie hätten sich verlaufen und würden gerne den Vater anrufen, ob er sie abholen könnte.
Ich reagierte nicht unmittelbar, sondern ließ erst meine Millionen skeptischer Gedanken passieren. Ich hatte irgendwo mein Notfallhandy stecken, sah den Jungen bereits mit dem Teil davon laufen. Die beiden warteten, versuchten aber nochmal nachdrücklich ihre missliche Lage auszudrücken, mein Zögern bemerkten sie natürlich.
Schon da schaute ich irritiert auf mich selber und fragte mich, wie es dazu kommen konnte, dass ich nicht schlicht und einfach aushalf, ohne zu Zögern, ohne lange zu überlegen.
Ich gab dem Jungen mein handy, er telefonierte kurz und dann bedankten sich Mutter und Sohn überschwänglich. Jetzt im Nachhinein betrachtet frage ich mich, warum ich nicht einmal gefragt habe wohin sie müssen. Vielleicht hätte ich sie irgendwo absetzen können. Die Idee ist mir gestern erst gar nicht gekommen. Ich hatte ernsthaft Sorge um dieses mickrige, nie von mir benutzte handy. Das darf doch wohl nicht wahr sein. Ich frage mich, was und wann es geschehen ist, dass mich derart zögern ließ ? Noch vor wenigen Wochen, das behaupte ich jetzt einfach mal, wäre mir nie der Gedanke gekommen, man könne mich anlügen, um mir etwas zu stehlen. Ich hätte nicht eine Sekunde infrage gestellt, dass diese Menschen wirklich in einer misslichen Lage sind.
Noch etwas anderes gibt mir zu denken. Hätte ich ebenso gezögert, wäre die Bitte von einer älteren Dame gestellt worden ? Von deutschen Mitmenschen ? Ich habe Ausländerfeindlichkeit nie verstanden, nie gemocht, nie unterstützt und hatte auch noch nie Anlass dazu. Doch diese Fragen drängen sich mir nun auf und ich bin ganz und gar nicht glücklich damit.
Andere Menschen mögen das "gesundes Misstrauen" nennen, ich aber habe für einen kurzen Augenblick auf ein "ich" geschaut, das mir nicht gefallen hat.
Und das ganz große Erschrecken liegt darin, dass das Zögern, das Misstrauen einfach so in mir war. Mit einem Male - grundlos. Ich möchte lieber einmal mehr falsch helfen und auf die Nase fallen, als ehrlichen Menschen Dinge zuzutrauen, die so gar nicht beabsicht waren.
Manchmal überrascht das eigene Ich einen schon sehr.
augenBloglich 26.08.2004, 13.05| (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Erlebnisse
Nachdem ich dazu übergegangen war, meine zahlreich vorhandenen Bücher nochmal und immer wieder zu lesen, freue ich mich heute ganz besonders darüber, dass mich jemand mit neuen Büchern beglückt hat. Nun warten hier folgende Werke darauf, sich mit mir gemütlich auf die Couch oder ins Bett zu kuscheln und verschlungen zu werden:

Nur: Welches lese ich zuerst ?
augenBloglich 26.08.2004, 10.28| (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Bücher
Ich kann nicht genau einordnen, ob ich zur Gluckenmutter neige. Ich merke nur, dass es ein recht sonderbares Gefühl ist, loszulassen, ein bisschen weniger eng festzuhalten. Mit einem Male spielen die Kinder also alleine draußen. Zunächst kommt es mir sonderbar vor, nicht sehen zu können, was die beiden da machen. Dann - mit einem Male - dämmert mir langsam: das ist meine Chance - Buch geschnappt, ab aufs Sofa - in aller Ruhe lesen.....
Da schenkt mir das Loslassen ein kleines Stück "Freiheit" zurück.
Natürlich ist es anstrengend, festzuhalten. Mal ganz wörtlich genommen bindet es die Hand oder die Hände, ich habe dann nicht die Freiheit, meine Hände anderweitig einzusetzen, muss immer schauen und darauf achten, dass ich das Gehaltene, das FESTgehaltene nicht versehentlich loslasse.
Gebe ich es ganz freiwillig aus der Hand, lege es vorsichtig an eine sichere Stelle, kann ich ganz beruhigt meine Hände für andere Tätigkeiten nutzen.
Wie schön also, wenn ich nach und nach loslassen kann. Nächte mit Kindern, die bei den Großeltern schlafen sind befreite Nächte.
Kinder, die alleine draußen spielen geben mir Zeit für mich zurück.
So wichtig wie das Festhalten ist, so hat das Loslassen auch seine Reize und ganz sicher auch seinen Wert und zwar nicht nur für das egoistische Ausleben meinerseits, sondern auch für Lena und Sophia, die es durchaus genießen, den mütterlichen Augen mal zu entgehen.
Aber dennoch, ein wenig sonderbar ist es, das Loslassen....
augenBloglich 26.08.2004, 10.13| (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Nachwuchs