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»Ist das äußere Schicksal über mich hingegangen wie über alle, unabwendbar und von Göttern verhängt, so ist mein inneres Geschick doch mein eigenes Werk gewesen, dessen Süße oder Bitterkeit mir zukommt und für das ich die Verantwortung allein auf mich zu nehmen denke.«
(H.Hesse in "Gertrud")
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| Hanna |
| Nochmal herzlichen Dank für die Hilfe und du hast einen sehr tollen Blog ! (: |
| 26.11.2011-16:21 |
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| Gartenfee |
| Hi, bist du gar nicht mehr hier am Werk??? Das wäre aber schaade. |
| 25.2.2011-23:00 |
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| patricia |
| wie heißt deine lehrerin!!!!!!!! |
| 1.3.2008-16:20 |
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| NIcole |
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Hey, ich find das super das Du Dich durchgesetzt hast bei den anderen Müttern. Ist doch egal was die sagen. Bin stolz auf Dich. lieben Gruß
NIcki |
| 30.3.2007-9:25 |
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| Renate |
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Hallo, ich habe nicht herausgefunden, wie ich dich ansprechen kann. Ich lese jetzt durch ZUfall schonfast eine Stunde in deinem Blog. Du hast einenherzerfrischenden Humor und man kanneigentlich gar nicht aufhören, zu lesen. Vor allem, wenndu über den Nachwuchs schreibst, ist es so richtig lieb!
Ich gratuliere dich, dass du manch' Ungutes hinter dich gebracht hast! War gerne da! Lb. Grüße RENATE |
| 2.3.2007-18:21 |
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S. 08.04.2006, 14.03 | (7/6) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Wissen
bevor ich Mutter wurde
Ich war - sozusagen - einfach perfekt.
Perfekt zumindest in dem, was ich damals glaubte. Manchmal sind Realität und Wunschdenken ja nicht ganz so kompatibel......
Natürlich gehörte ich zu jenen vormütterlichen Wesen, die es ihren Kindern niemals erlauben würde, sie zu tyrannisieren.
So der gute Vorsatz.
Nun stehe ich da. Nein, nicht im wörtlichen Sinne, denn eigentlich liege ich stets, wenn unsere Jüngste zu jenem kleinen Tyrannen mutiert, den etliche Erziehungsratgeber mit treffenden Worten beschreiben und deren ebenso nutzlos wie unpraktikable Erziehungsvorschläge uns nicht weiterhelfen.
Tapps, tapps, tapps..........hört man flüchtig die Schritte, die des Nachts zur Toilette eilen. Mit einem lauten Knall wird der Toilettendeckel gegen die Fliesenwand geschmettert. Während man dort sitzt und sein mal mehr oder weniges kleines Geschäftchen verrichtet kann man ruhig mal lauthals das Pippi Langstrumpf Lied schmettern, in der Gewissheit, nun bereits die halbe Familie geweckt zu haben.
ROOMMMMMMS, schmettert der Toilettendeckel herunter und tapps, tapps, tapps ....... hört man flüchtig die Schritte, die nun zu Mutters Bett eilen. Sofort trompetet eine schrille Kinderstimme in mein Ohr:
"Mama, bist du wach?"
Ich versuche es stets aufs Neue mit dem nein-ich-schlaf-ganz-fest-Trick, was unsere Tochter nicht davon abhält ihr allnächtliches:
"Mama-mach-die-Äuglein-auf!" -Lied zu singen und dabei unsanft meine Augenlider in die Höhe zu zupfen.
Bevor ich Mutter wurde war ich mir sehr sicher, dass MEINE Kinder niemals mitten in der Nacht solche irren Wagnisse eingehen würde.
Seit ich Mutter bin rätsle ich über logische Konsequenzen .......
Selbstverständlich hat man jede Nacht aufs Neue die Wahl.
Ignorieren - das bedeutet hysterischer Tobsuchtsanfall von mindestens einer Stunde
oder aber zurück ins Bett bringen, zudecken, weiterschlafen.
Nun, natürlich wäre es pädagogisch wertvoll, wenn wir unseren Tyrannen schreien ließen. Ich hätte auch kein Problem damit, nur mit dem Schallschutz hapert es ein wenig in unserer Wohnung.
Natürlich haben wir das ausprobiert. Acht Tage, nein Nächte lang. Anschließend war ich reif für eine bekannte Anstalt, darum neige ich nun dazu, aufzustehen, das Kind zu schnappen, ins Bett zu verfrachten, weiter zu schlafen.
Damit hat das Kind seinen Willen und ich meine Ruhe.
Zumindest bis sich das Drama drei Stunden später wiederholt.
"Hau ihr auf'n Hintern!" ist der stets wiederkehrende weise Vorschlag einiger Familienangehöriger.
Das stelle ich mir sehr effektiv vor.
Das sowieso nölende Kind schreit dann noch hysterischer und so wie ich meine Tochter einschätze reicht die Kondition auch locker für zwei Stunden.
Erziehung ist - so weiß ich heute - stets das kleinere Übel zu wählen.
Mitten in der Nacht, das weiß ich ebenfalls, wird aus der Supermutti eine Art blutrünstiger Werwolf mit einer Aversion gegen pädagogisch Wertvolles.
Alles, was dann noch zählt ist der Schlaf.
Was bleibt ist die Hoffnung.
Immerhin weiß ich heute schon sehr genau, was meine irgendwann Pubertierenden ganz sicher alles nicht dürfen.
Auch als Mutter bleibt man Vormutter.
Und alles in allem ist das nun wirklich das kleinere Übel.
S. 07.04.2006, 18.24 | (3/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Nachwuchs
im nächsten Leben türenlos
Nicht nur, dass man an ihnen hängen, mit ihnen schwingen, diverse Zehen und Finger in, unter und zwischen ihnen quetschen kann, nein, man kann auch ganz wunderbar dagegen hämmern, sie zuschmeißen, sie qietschen lassen und nicht zuletzt kann man wunderbar über Türen streiten.
Gut, der Wecker klingelt eh um 5.30 Uhr. Das aber heißt nicht, dass ich zwangsläufig bereits um 5.20 Uhr von einem affengleichen Gebrüll geweckt werden möchte.
Bruchstückhaft dringen Satzfetzen an mein noch müdes Ohr:
"Deh wett. ICH darf heute die Tür aufmachen!"
"Nein, gar nicht. Du hast gestern!"
"Nein, wieso nicht. Du lügst."
Wenn mein müdes Hirn sich nicht gänzlich irrt, streiten unsere Mädel bereits jetzt darüber, wer NACHHER - so in geschätzten 1,5 Stunden - die Wohnungstür öffnen darf, wenn wir uns auf den Weg in den Kindergarten machen.
Unsere Jüngste, nicht dumm, hat es sich bereits mit ihrer Decke und ihrem Kissen vor umstrittener Tür bequem gemacht. Nur um ja nicht den optimalen Zeitpunkt des Vor-der-Schwester-Öffnens zu verpassen.
Nun könnte man meinen, ein konsequentes Türöffnenverbot würde die Lage entspannen.
Weit gefehlt.
Unsere Kinder sind da durchaus kreativ.
"Wenn ich schon nicht die Tür aufmachen darf, dann zähl ICH die Stufen!"
"Nein, ICH zähl die Stufen. Du hast die Stufen schon gestern gezählt!"
"Dar nicht, ne, Mama?"
Wann immer ICH die Stufen zähle, es sind und bleiben 14. Auch bei unseren Mädel, sie seit geschätzten sechs Monaten täglich mehrmals zählen, differiert die Anzahl eher nicht.
Dennoch ist das kein Grund, um NICHT darüber zu streiten, wer denn nun zählen darf.
Außerdem lockt - am Ende der Stufen - eine Tür. Die Haustür nämlich.
"Du hast nur gesagt die Wohnungstüren dürfen wir nicht aufmachen. Die hier ist nicht in der Wohnung!" weist mich Lena auf meine pädagogische Lücke hin.
Ich überlege kurz, wie es wäre, die Tür zu öffnen, die Kinder hinauszulassen, nur um dann die Tür - von innen - wieder zu verschließen.
Allerdings möchte ich das unseren Nachbarn nun wirklich nicht zumuten.
Das richtig Schlimme ist, nichts ist wirklich türlos.
Das nächste Gebrüll beginnt am Auto.
Kaum ist dieser Streit beendet kann man sich sehr gut bereits verbal auf die zu öffnende Kindergartentür vorbereiten.
Wem das nicht reicht:
Man kann auch gleich die mittäglich zu öffnende Kindergartentür, die anschließend zu öffnende Autotür und selbstverständlich die später aufzuschließende Haustür etc. gleich verbal mit bestreiten.
Falls es irgendwo eine Petition gegen Türen oder für ein türenfreies Leben gibt, ich unteschreibe sie blindlings.
"Mama, dann bau einfach ein Haus, das genug Türen hat. Dann müssen wir auch nicht immer streiten!"
Oder so.
S. 05.04.2006, 15.44 | (2/1) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Nachwuchs
kindliche Wortfremdungen
Bevorzugt dann angebracht und geäußert, wenn wir versuchen, unserem Kind die deutsche Sprache und Grammatik näher zu bringen.
S. 01.04.2006, 08.16 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Nachwuchs
Kleinere Störungen
Und die daraufhin wenig zartfühlenden Kleinjungenhände, die versuchten, den ekligen Glibberschmutz aus meinem Gesicht zu wischen – was zur Folge hatte, dass der Schmutz in dicken Knubbeln und kleinen Rinnsalen meinen Kragen hinein und abwärts lief – waren auch nicht unbedingt vielversprechend.
Aber von so ein wenig Schmodderschmutz lasse ich mich grundsätzlich ja eher weniger beeindrucken und so nutzte ich die 15 Minuten vor Unterrichtsbeginn für eine kleine, wenn auch wenig erfolgreiche Reinigungsaktion.
Mit dem Schellen stürzte ich aus der Toilette und rannte kurz eine Kollegin nieder, die das Ganze glücklicherweise unbeschadet überstand, mich aber dezent darauf hinwies, dass aus meiner Nase sturzbachweise Blut laufen würde.
Schnell raffte ich ein Tempo aus tiefsten Taschentiefen und hielt es mir elegant unter die Nase.
Beim Betreten des Schulhofs empfing mich nun zwar kein dreckiger Ball mehr, dafür aber begleitete mich eine Horde Kinder, deren Fragen und Ausrufe stakkatoartig auf mich einprasselten:
„Wie siehst du denn aus?“
„Hasse dich gekloppt?“
„Iiiiiih, das ist eklig!“
„Was ist denn passiert?“
„Bist du krank?“
„Boaaah, cool, ey, die hat sich gekloppt.“
„Geil. Richtig geil!“
„Oh nein das sieht ja scheußlich aus“
„Boah, scheiße, ey!“
„Ich glaub ich muss kotzen!“
Gelassen schritt ich meines Weges, so gelassen, wie man eben sein kann, wenn Blut aus der Nase rauscht und Dreck den Rücken hinunter rinnt. Kurz vor der Klasse, „meine“ Kinder waren alle voll des laut geäußerten Mitleids mit mir, fing mich eine Mutter ab.
In der einen Hand meine Tasche, die andere mit Taschentuch unter die Nase gepresst, hörte ich konzentriert zu, wie sie mir erklärte:
„Bitte, diese Tropfen muss A. gegen 11.30 Uhr nehmen, 20 Stück. Gegen 12.00 Uhr dann zwei von diesen Tabletten und kurz bevor die Kinder nach Hause gehen bitte einmal den Hustensaft!“
Während ich versuchte, ein mich dauernd am Rückenteil meiner Jacke ziehendes Kind dazu zu bewegen, wenige Schritte von mir zu weichen, versuchte ich die Anweisungen der Mutter wahrzunehmen.
„Und bitte!“, erwähnte sie noch „Es ist wirklich dringend!“
Das Ziehen an meiner Jacke nimmt derweil vehemente Züge an und ich gestehe, das „Mir ist übel!“ des ziehenden Kindes eher weniger wahrzunehmen.
Infolgedessen, ich drehe mich gerade eben um, schwallt eine Menge übelriechendes Erbrochenes über meine Füße und ich überlege kurzzeitig, ob ich mich vielleicht bei „Versteckte Kamera“ befinde.
Die Kinder meiner Klasse geraten in leichte Hysterie und überbieten sich in IIIIIIIHHHH Rufen, während ich versuche, das sich weiterhin übergebende Kind zu trösten.
„Ich geh lieber!“ ruft die Mutter „Sind sie gut und denken an die Medikamente?“
Aber sicher. Kein Problem. Sollte ich bis dahin noch leben.....
An meinem Rücken bröckelt der angetrocknete Schmutz , als ich mich bücke, um die diversen Körperflüssigkeiten vom Boden - und: nicht zu vergessen, meinen Schuhen – zu wischen.
Die Kinder sitzen an ihrem Platz, das kranke Kind auf meinem Schoß, derweil ich versuche, dessen Mutter mittels handy zu erreichen.
Die Klassenzimmertür öffnet sich und unsere Sekretärin schiebt acht bis zehn Erstklässler in unsere Klasse.
„Die Kollegin ist erkrankt. Sind Sie bitte so lieb?“
Aber immer. Die neuen Kinder geraten kurzzeitig ebenfalls in leichte Hysterie, zum einen, weil der Gestank nicht angenehm, zum anderen weil ich höchstwahrscheinlich so einen wenig vertrauenserweckenden Eindruck vermittle.
„Ich kann das nicht riechen! Da muss ich kotzen!“, versucht ein Kleiner dem Grauen noch zuvor zu kommen, doch da schwappt es schon quer über den Tisch und – oh schauder – über die bereits heraus geholten Hefte einiger Kinder.
Das Kind auf meinem Schoß heult.
Das Kind, das sich gerade übergeben hat heult noch lauter.
Die anderen Kinder schreien wahlweise:
„Iiiiiihhhgitt, das ist ja eklig!“ bzw. „Boaah, voll cool, wir ham ne Epimi!“
Meine Nase schwillt zu und ich will nach Hause.
Doch was predigte mir neulich eine nie Lehrerin Gewesene:
„Pädagogische Gelassenheit ist das A und O!“
Geübt im Wegwischen von Körperflüssigkeiten entledigen wir uns kurz derselben, ordnen die Tische neu, öffnen die Fenster. Ein Klopfen an der Tür, freudig schaue ich auf, in der Hoffnung, das erste sich übergebende Kind wird abgeholt. Aber es ist erneut die Sekretärin.
„Sie kriegen doch heute die neue Praktikantin! Das hier ist Frau K.“
Frau K. schaut sich naserümpfend um, bekundet dann lauthals: „Uah, das kann ich nicht riechen, da wird mir übel!“ und rennt hinaus.
Auch die Sekretärin findet es bei uns wenig anheimelnd. Wie gut, dass ich mittlerweile nichts mehr riechen kann, anstelle einer Nase habe ich einen undefinierbaren Riesenklumpen im Gesicht.
„Du siehst echt richtig scheiße aus!“ bekundet ein Kind zartfühlend sein Mitgefühl und die anderen Stimmen lautstark zu.
Ich versuche die Eltern vom zweiten sich übergebenden Kind zu erreichen, was zunächst daran scheitert, dass das Kind nur seinen Vornamen kennt und natürlich auch nicht seine Telefonnummer.
Während die Klasse sich an die Freie Arbeit begibt, lösen wir das Telefonproblem und eine nette Ansage springt mir ins Ohr:
„Es ist Freitag Morgen, Sie glauben doch nicht allen Ernstes, dass wir JETZT ans Telefon gehen! Bitte hinterlassen Sie......!“
Brav hinterlasse ich im nasalen Singsang:
„Trotz Freitag Morgen hat sich Ihr Kind gerade übergeben. Es wäre nett, wenn Sie es in Raum X abholen könnten....“
Ich lege ein klein wenig angenervt auf. Der Schultag kann beginnen!
Kaum sitzen wir im Stuhlkreis um die Geschehnisse des frühen Vormittages verbal aufzuarbeiten, als ein Feueralarm durch das Schulgebäude schrillt. Da kein Probealarm angekündigt war, wallt sekundelange Panik in mir auf.
„Klassenbuch!“ dröhnt es in meinem geplagten Schädel. (Nicht, dass das jetzt entscheidend gewesen wäre, aber ich trage ein Feueralarm-Klassenbuch-Trauma mit mir herum, seit ich bei meinem ersten Probealarm als richtige Lehrerin gewagt hatte, selbiges im Klassenraum zu vergessen.)
Klassenbuch geschnappt, Kinder aufgestellt, Fenster geschlossen.
Los geht’s.
„Ich komm nicht mit!“, heult da ein Erstklässler auf und hält sich angstvoll an einem Tisch fest. „Ich komm nicht mit, da ist Feuer!“
Die anderen Kinder drehen sich um, um mitfühlend geäußerte Kommentar wie:
„Ja, Feuer ist echt gefährlich!“ bestärken den Entschluss des Kindes und seinen Willen nicht mitzukommen.
Ich weiß ja jetzt nicht, aber für pädagogisches Feingefühl fehlte mir ein wenig die Muße und so nahm ich das Kind mehr oder weniger auf den Arm.
Kein cooler Erstklässler lässt sich so mirnichtsdirnichts auf den Arm nehmen und so boxte das kleine angstvolle Wesen mich.
Nicht, dass meine Nase noch dicker hätte werden können, aber reichlich Blut hatte ich noch zu bieten........
„Frau S. wann muss ich meine Medizin nehmen?“ fragt mich ein anderes Kind schüchtern und das ist der Punkt wo ich darum bete, dass das Wochenende beginnt......
S. 31.03.2006, 16.57 | (3/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Erlebnisse
..hautse ...hautse....
"Hautse, hautse immer auf die Schnauze!"
Ja, Sie sollten - sofern Sie es in Erwägung gezogen haben - Abstand von der Idee nehmen, mit Kindergartenkindern das Wicki-Musical zu besuchen.
S. 14.03.2006, 17.54 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Nachwuchs
vorschnelles Urteil
Unter anderem erzählte uns die Referentin [ich erwähne jetzt nicht mehr explizit den pastoralen Singsang], dass Ihr Mann nie habe kochen müssen.
Erst kochten Mama und Oma und später sie für ihn.
Nun ist es also so, dass dieser Mann irgendwann mal die bereits geschälten und im Topf vorbereiteten Kartoffeln kochen sollte, weil die Frau - also jetzt die Referentin - noch irgendwo hin musste.
Als sie nach Hause kam, waren die Kartoffeln nicht gekocht. ["Welch Wunder!", mag da manche Frau jetzt denken.]
Jaja, aber das lag nicht etwa daran, dass der Herr des Hauses sie - die Kartoffeln - gar vergessen hätte, nein, nein, der Gute KONNTE die Kartoffeln gar nicht kochen.
Nicht, dass jetzt jemand vermutet, es hätte einen Stromausfall gegeben. Nein. Viel besser. Bei dem armen Kerl hatten sich nie Kartoffel Synapsen im Hirn bilden können, da doch erst Oma und Mutter und später sie für's Kochen zuständig waren und niemals ER.
Somit hätten wir dies auch geklärt.
Was das jetzt mit mir zu tun hat?
Nun, ganz einfach.
Mann schickte mich heute zum Luftdruckmessen und Reifen "aufpumpen".
Ich Arme.
In meinem Hirn haben sich nie Synapsen diesbezüglich bilden können. Kein Wunder also, dass ich - wieder einmal - wie blöd mit diesem Kanister Teil in der Hand da stand.
S. 13.03.2006, 17.52 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Augenblicke
KÜHN gebloggt ;-)
KÜHN gebloggt
Nachdem ich das Buch am Wochenende gelesen habe - und das nicht ohne den ein oder anderen Schmunzler - neige ich dazu es als Furz abzutun.
Viel - heiße - Luft und eine Menge unangenehmer, übler Gestank, der aber vergehen wird.
Bleibt zu hoffen, dass Frau Unverzagt uns vor weiteren ihrer so übel riechenden Blähungen verschonen wird!

S. 13.03.2006, 13.56 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: InterNETTiges
unsere rechte Hand ist waffenfrei
Mit ihren weißen Haaren, dem zartrosa Kostümchen und beinahe
schwebend betritt die Referentin engelsgleich den
Raum.
Zwanzig Lehreraugenpaare richten sich auf jene Dame, die uns nun einen Nachmittag lang das Fördern einzelner Kinder nahe bringen möchte.
Eingequetscht auf Erstklässlerstühlen, die Beine mühsam unter die niedrigen Tische gequetscht warten wir begierig auf das, was da kommen mag.
„Guten Morgen“, haucht die Dame pastoral „wie schön, dass wir alle beieinander sind!“
„Schauen Sie!“ geht es nach einer kurzen namentlichen Vorstellung ihrerseits weiter „ich reiche allen Schülern morgens grundsätzlich meine rechte, die waffenfreie Hand. Damit setze ich bewusst das Zeichen für Friedfertigkeit und beuge jedem Streit vor. Wir wollen das auch einmal versuchen!“ ordert die Dame an und schüttelt beflissen jedem von uns die Hand.
„Hallo, ich bin YX, ich reiche dir meine rechte, waffenlose Hand!“
Bereits jetzt kann ich den pastoralen Singsang der Dame kaum ertragen, spiele das Spielchen aber mit. Man möchte sich nicht schließlich in den ersten vier Minuten als Hauptbedenkenträger zu erkennen geben.
„Wenn Sie jedes Kind morgens per Handschlag begrüßen, werden Sie in der Pause kaum mehr Hader und Zwist beobachten können. Denn die rechte, unsere waffenfreie Hand, gibt so bereits Ausdruck darüber, dass wir in friedfertiger Absicht gekommen sind!“
„Ich bin aber Linkshänderin!“, wagt eine Teilnehmerin anzumerken und wird sofort mit einem unwirschen Blick gestraft.
<pastoraler Singsang on>„Sehen Sie, wenn Sie mir Ihre linke, ich Ihnen meine rechte Hand gebe, so passen diese nicht ineinander. Nur zwei rechte Hände passen wunderbar zusammen, probieren Sie es doch einfach mal aus!“</pastoraler Singsang off>
Neben mir summt ein Teilnehmer frei nach Grönemeyer: „....meine Faust will unbedingt in ihr Gesicht und darfs nicht.....“
Die ersten zehn Minuten sind um.
Die Dame betont, dass es wichtig für das Schulleben sei, dass jeder Kollege und jede Kollegin jedem Kind der Schule morgens die rechte – und wie wir mittlerweile ja wissen WAFFENFREIE - Hand zu reichen.
Nur so erhält das Signal eben auch Signalwirkung.
Ich rechne kurz aus, wann ich an der Schule sein muss, um allen 240 Kindern die Hand zu schütteln und versuche krampfhaft mir einen organisatorischen Trick einfallen zu lassen, um Engpässe an der Schuleingangstür zu vermeiden.
Und was mache ich mit den Kindern, die zur zweiten Stunde kommen?
Ich stelle mal – recht provokativ, ich bekenne es - die Frage: „Wie funktioniert das denn Organisatorisch?“
<pastoraler Singsang on>“Nun, Sie gehen raus und geben jedem Kind die Hand! </pastoraler Singsang off>
Die Dame wirkt leicht irritiert ob meiner wirklich zu blöden Frage und runzelt angenervt die Stirn.
„Ich schaffe es nichtmal allen 120 Kollegen die Hand zu schütteln!“ wagt ein Berufsschullehrer anzumerken und das erheiternde Lachen aller Teilnehmer verunsichert die Referentin, die zu bedenken gibt:
<pastoraler Singsang on>“Nun, an unserer Grundschule gibt es insgesamt immerhin auch 84 Kinder. Und dennoch regelt sich das wunderbar!“ </pastoraler Singsang off>
Das ist der Augenblick, in dem ich beschließe diese Fortbildung nicht mehr ernst zu nehmen.
Ich bin recht froh über die Tatsache, dass mein Stuhl unmittelbar vor einem Plätzchenteller steht und vertreibe mir die Zeit zunächst mit Plätzchenessen.
Aber, selbstverständlich werden wir direkt wieder gebeten ins Kleinkindalter zurück zu fallen, und müssen Fingerspiele nachmachen:
„Das ist der Daumen, der schüttelt die Pflaumen......“
Uns wird das Ganze dann als individuelle Förderung für LRS Kinder verkauft und ich stelle mir bildlich vor, wie ich anfänglich pubertierende Viertklässler demnächst mit „Hast nen Taler, gehst zum Makrt, kaufst ne Kuh.....!“
beglücken werde.
„Wäre es nicht sinnvoller, im Grundschulalter auf das Sprechzeichnen zurück zu greifen?“ frage ich und ernte erneut einen bitterbösen Blick.
<pastoraler Singsang on>“Wir reden hier über jahrhundertlang bewährte Alternativen. Im Übrigen kann ich zum Sprechzeichnen nichts sagen, der Begriff ist mir fremd!“ </pastoraler Singsang off>
Die Berufsschullkollegen in unserer Runde geben zu bedenken, dass es nicht unbedingt eine berufsschuladäquate Übungsform sei, Fingerspiele mit den 16 Jährigen zu machen.
Aber so wird Ihnen erklärt:
<pastoraler Singsang on>“Fragen Sie mal, ob ihre Schüler früher gekrabbelt sind als Baby. Sind sie nicht. Alle Kinder mir LRS sind nicht gekrabbelt. Alle Kinder, die nicht krabbeln haben später Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten!“ </pastoraler Singsang off>
„Also mein Sohn ist nie gekrabbelt und hat gerade sein Abitur mir 1,3 gemacht!“ wirft eine Teilnehmerin ein.
<pastoraler Singsang on>“MEIN Sohn hat das Krabbeln als Entwicklungsstufe auch übersprungen, aber er hat dafür jahrelang voltigiert und dann schließlich ein 1,1 Abitur gemacht!“ </pastoraler Singsang off>
Gut, dass wir das geklärt haben.
„Jetzt ist der Sohn wahrscheinlich schwul!“, raunt mir mein Sitznachbar zu und ich fange an kindisch zu kichern.
<pastoraler Singsang on>“Nun, es scheint, als bräuchten Sie wieder eine Spielsequenz!“, resümiert die Dame. </pastoraler Singsang off>
Wir stellen uns nun artig zu zweit gegenüber. Auf den Hacken laufen wir mit geschlossenen Augen fünf Schritte zurück, um anschließend mit geöffneten Augen wieder unserem Partner entgegen zu laufen.
Gut, ich habe jetzt ein klein wenig Probleme mit meinen hochhackigen Stiefeln auf Hacken zu laufen, aber der gute Wille allein zählt und so schwanke ich rücklings und meine Partnerin fragt mich, ob ich schon einen gehabt hätte.
Ich bekunde Gegenteiliges, gebe aber zu bedenken, dass diese Fortbildung leichter zu ertragen wäre, wenn ich doch einen gehabt hätte.
Das ist der Augenblick, wo die Dame mich als Hauptbedenkenträgerin und Querulantin einstuft.
Fortan werde ich sträflich ignoriert.
Nicht, dass mir das viel ausmachen würde.
Ärgerlich allerdings die Tatsache, dass unser Plätzchenteller schon leer ist.
Wir erfahren, dass die Kinder keine Körperspannung aufbauen können und üben aus diesem Grunde den Stopptanz.
Mal ganz was Neues.
Zwischendurch legen wir Daumen und Zeigefinger dreieckförmig an die Stirn. Pressen die Finger förmlich an die
Stirn, schließen dabei die Augen und staunen darüber, wie sehr sich die Welt verändert hat, wenn wir die Augen jetzt wieder öffnen.
Wir erfahren, ganz nebenbei, dass die Dame ein Buch verfasst hat.
[Mensch, und rein zufällig hat sie gleich 724 Exemplare mitgebracht, falls wir für uns und unsere Freunde....]
Es ist mir zwar schleierhaft, wieso man aus dem selbstverfassten Buch vorlesen muss und seinen Vortrag nicht frei halten kann, aber nach dem, was die Dame von sich gibt, liegt das Schreiben des Buches vielleicht auch schon ein paar Jährchen zurück. Da kann man sich wahrscheinlich nicht mehr so gut erinnern.
Natürlich dürfen wir auch noch in Gruppen arbeiten. Natürlich müssen wir dazu in dem Buch blättern und natürlich müssen wir Zitate liefern.
Nach vier Stunden habe ich folgendes gelernt:
- man darf auch den letzten Keks vom Teller nehmen, wenn man sich in einer verzweifelten Lage befindet
- die Dame hat einen schwulen Sohn mit Einserabi
- die Dame hat acht Jahre lang Elternzeit genossen
- die Dame arbeitet an einer Grundschule mit 84 Kindern
- hochhackige Schuhe taugen nichts beim Hackengang
- alle nichtkrabbelnden Kinder sind blöd
- alle blöden Kinder sind nie gekrabbelt
- Fingerspiele sind das Allheilmittel
- unsere rechte Hand ist waffenfrei
Ich finde, dafür hat es sich gelohnt, 47 Kilometer zu fahren und einen Nachmittag zu opfern.
S. 10.03.2006, 08.32 | (6/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Erlebnisse
schachmatt
Nach 16 Tagen Erbrechen und Durchfall bei allen Familienmitgliedern, zwischen Stapeln von Wäsche, ständig laufender Waschmaschine, Bergen von Zwieback, wunden Popos, Wärmeflaschen, durchwachten Nächten mit Eimern im und am Bett, Erbrochenen in allen Lebenslagen und auf, unter, zwischen, über sämtlichen Mobiliar und maximal einer Stunde zusammenhängenden Schlaf pro Nacht, gäbe ich was dafür, die Zeit zu finden, mich aufs Sofa zu legen und einfach mal ein bisschen nervenzusammenzubruchen.
Da ich aber gewiss sein kann, dass just in dem Augenblick, in dem ich mir diesen gepflegten Zusammenbruch gönnen würde, irgendein Familienmitglied quer sonstwo hin erbrechen würde, jemand von klowärts schreien würde:
"Mama, ich haaaaaab Durchfall!" oder es mir selbst querwärts hochschießen würde, schenke ich mir den Zusammenbruch lieber direkt und hoffe auf Einsicht der göttlichen Fügung und auf Erbarmen.
S. 26.02.2006, 16.49 | (6/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Augenblicke
Grunddreck
Gerade gewischt, schon ist alles wieder krümelig.
Gerade gebügelt, schon ist alles wieder knittrig.
Gerade den Tisch abgewischt, schon klebt wieder alles.
Gerade gegessen, schon sitzt es auf der Hüfte.
Ich nehme an, ich bin ein Magnet. Einer, der Dreck, Krümel, Knitter und Fett magisch anzieht.
Darum auch dieser beständige Grunddreck um mich herum.........
S. 14.02.2006, 18.03 | (3/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Alltagskram
Frühstücksgespräche
"Dar nicht!" erhebt diese vehement Einspruch.
"Doch!" höre ich Lena antworten "Die BKK und uns. Frag doch die Mama!"
S. 14.02.2006, 11.14 | (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: Nachwuchs
Arztgespräch
Wackelige Knie, kalter Schweiß - mir war hundeelend.
So fuhr ich denn - statt zur Schule - zu meinem sehr netten Hausarzt. Dieser - sehr nette - Hausarzt weilte jedoch im Urlaub, hatte aber, vorsorglich, für eine - wenn auch weniger nette - Vertretung gesorgt.
"Setzen!", befahl mir die Dame, als ich endlich das Sprechzimmer betreten durfte. Wild auf ihrer Tastatur einhämmernd wollte sie anschließend wissen: "Was ist es bei Ihnen?"
Auschweifend, detaillgetreu und anschaulich berichtete ich nun also von meiner letzten Nacht.
Ohne jegliche Regung hämmerte die Dame weiterhin auf die Tastatur ein und herrschte mich plötzlich an: "Berufstätig?"
Dieses eine Wort allein schien mir zu implizieren, dass eine etwaige Berufstätigkeit meinerseits, verbunden mit dem Krankheitsbild, in den Augen dieser Dame wohl einem Verbrechen gleich käme.
"Ja!" wagte ich dennoch laut und deutlich zu äußern, was mir einen ersten, wenn auch kurzen und kaum erwähnenswerten Blick ihrerseits einbrachte.
"Was JA", blafft die Dame mich daraufhin an "als was?"
Nun ist es in Zeiten von Lehrerhasserbüchern ja nahezu lebensgefährlich zu seinem Lehrerberuf zu stehen und so bedurfte es selbstverständlich all meines Restmutes, um offen und ehrlich zu bekennen: "Ich bin Grundschullehrerin!"
Sofort hörte das Tastengerammel auf und erstmalig nahm die Dame mich - nicht ohne ein gewisses Stirnrunzeln - zur Kenntnis.
"Müssten Sie dann jetzt nicht im Unterricht sein?" wollte sie nun wissen und ich sah ihre Gedanken in fetten Lettern über ihre Stirn spazieren: FAULES PACK!
"Ja", wollte ich gerade ich meine Erklärung starten, als sie mich brüsk unterbrach: "Toilletten werden Sie doch an Ihrer Schule wohl haben, oder?"
Dies war der Augenblick in dem ich innerlich meine Fäuste ballte und mir ausmalte, wie es sein würde, die Dame k.o. zu schlagen. Aufgrund des mehr als schlechten Lehrerimages ließ ich dies selbstverständlich bleiben und kostete meinen Sieg nur rein gedanklich aus.
"Ich hielt es nicht für sinnvoll, heute in die Schule zu gehen!", erklärte ich und versuchte meinen hochnäsigsten aller hochnäsigen Lehrerblicke aufzusetzen.
"Das seh ich!" brüskiert mich die Dame und fängt wieder an ihre Tastatur zu bearbeiten. "Und jetzt wollen Sie einen Krankenschein. So ein bisschen Darmrumpeln und schon legt man faul die Beine hoch!"
"Nein, ich denke Sie haben Recht. Es ist sicherlich sinnvoller in die Schule zu fahren, dort alle zwei Minuten aus dem Klassenzimmer in die Toilette zu rennen. Zwischendurch vielleicht mal - so ganz als Anschauung - den Kindern vor die Füße zu brechen.....!"
"Sie sollen die Kinder ja nicht knutschen und knubbeln. Nur unterrichten!" werde ich zurecht gewiesen und dann endlich zückt die Dame ihr Stethoskop, um sich anzuhören, ob es in meinem Darm auch wirklich rumpelt.
Ich erwäge just in diesem Moment ein Arzthasserbuch zu schreiben. Verwerfe die Idee aber direkt wieder, da ich mir schon die Schlagzeilen vorstellen kann:
LEHRERIN HAT AUSREICHEND ZEIT SINNLOSEN HASSTIRADEN GEGEN EHRBAREN BERUF AUSDRUCK ZU GEBEN
"Vomex!", erklärt mir die Dame knapp und entlässt mich mit einer vagen Geste Richtung Tür.
Die Arzthelferinnen sind so freundlich mir das Rezept auszuhändigen. Meine Nachfrage nach meiner heutigen Krankschreibung wird mit einem Achselzucken abgetan.
Langsam und müde trabe ich die Treppen hinunter.
Draußen auf der Straße übergebe ich mich ins nächstbeste Gebüsch.
Ich faules Pack!
S. 14.02.2006, 09.31 | (9/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Erlebnisse
MONTAGmorgen
Obwohl man lange vorher weiß, dass und wann sie kommen werden, stehen sie doch immer wieder reichlich überraschend und viel zu schnell vor der Tür.
5.30 Uhr der Wecker klingelt. Nach einem kurzen Moment geistiger Benommenheit spüre ich meinen beschleunigten Herzschlag und sitze senkrecht im Bett.
MONTAGmorgen. Die Jagd nach dem besten Platz in der Kopiererwarteschlange hat begonnen.
Hastig ziehe ich mich an, wuschle mir durch die Haare, wecke die Mädel, packe Kindergarten- und Schultaschen und gemahne zur Eile.
"Ist es denn schon wieder Montag?, fragt mich Lena gähnend und fährt fort:
"Manno immer ist Montag. Immer müssen wir uns beeilen!"
Ich überprüfe rasch den Inhalt meiner sechs Leinen- und meiner großen Schultasche.
Bastelzeugs, Anschauungsmaterial, Kopiervorlagen, Bücher ....... scheint alles vorhanden.
"Mädel", dränge ich "wir müssen los!"
7.14 Uhr wir liegen gut in der Zeit. Ich bringe die Kinder in den Kindergarten, brüskiere die Erzieherinnen, in dem ich darauf hinweise, dass es montags ist und ich wirklich keine Zeit für eine kleine Plauderei habe und haste zurück zum Wagen.
7.21 Uhr MIST, zwei Minuten zu spät. Wie kann ich die Zeit nur wieder reinholen?
Mein Auto springt direkt an und ich umarme das Teilchen geistig. Los geht es.
Unruhig mit dem Po im Sitz umherrutschend mahne ich die Fahrer vor mir doch bitte in Zone 50 auch 50 zu fahren und nicht 30 bzw. gefühlte 20.
Schweißperlen stehen mir auf der Stirn, als ich endlich um 7.38 Uhr (viiiieeeel zu spät) auf den Lehrerparkplatz einbiege.
Ich weiche geschickt, wenn auch voller Wut, all jenen Eltern aus, die ihre Kinder am liebsten bis IN die Schule fahren möchten und hierfür gerne mal die Lehrerparkplätze blockieren.
Es gelingt mir einzuparken ohne irgendwen oder irgendwas zu rammen. Hinter mir die Lichter eines anderen Autos. Ein hastiger Blick. Nein, das kann doch wohl nicht wahr sein, schon eine Kollegin.
Ich raffe meine 13 Leinentaschen und die schwere Schultasche vom Beifahrersitz, drücke mit dem Allerwertesten die Autotür zu und eile los.
Ein schneller Blick auf die ausgestiegene Kollegin zeigt mir sofort, dass diese mindestens eine Leinentasche weniger trägt als ich und somit mobiler ist.
Ich sprinte los und ignoriere die schmerzhaft in die Kniekehlen schlagenden Beutel.
Die Kollegin holt auf, also nehme ich die Abkürzung über ein vesumpftes Wiesenstück.
"Heeeee!", brüllt mir da schon unser Hausmeister entgegen "Sie wollen doch mit den Sumpfstiefeln nicht etwa in MEINE Schule?"
Ich catche den 154 Kilo Mann mit all meinen hilfreichen Leinentasche zur Seite, grüße flüchtig und frage mich allen Ernstes, ob der Mann nach 40 Dienstjahren immer noch nicht weiß, was es bedeutet, wenn es MONTAGmorgen ist?
"Das wischen Sie aber weg!", donnert es mir nach und ich versuche mit einem unehrlichen, hastigen Nicken den Mann zu beruhigen.
Die Kollegin holt auf und beinahe zeitgleich erreichen wir die Tür des Lehrerzimmers.
Selbstverständlich stößt sie just in diesem Moment jemand von innen auf, mir somit mit voller Wucht vor die Stirn und ich klatsche - mitsamt den 24 Leinentaschen und der schweren Schultasche - zu Boden.
Der Inhalt aller Taschen ergießt sich auf dem Flur. Ich spüre eine dicke Beule auf meiner Stirn anschwellen und sehe, wie die Kollegin an mir vorbeihastet, leise murmelnd:
"Tut mir leid, du weißt ja, Montag!"
Das war doch abgesprochen. Das kann mir doch keiner erzählen. Das haben die Kollegen doch hinterrücks geplant, um mich aus dem Rennen zu werfen.
Ich klaube mein Zeugs zusammen, renne ins Lehrerzimmer, überblicke die Lage und stehe - als 5. - in der Schlange zum Kopierer.
"Ich bin Nr. 5, ich stehe gleich nach XY!" verkünde ich lautstark, nur damit mir nicht noch irgendwer Rang 5 streitig machen kann.
Ich plaziere meine 27 Leinentaschen und die schwere Schultasche unmittelbar hinter Nr.4 und haste zum Vetretungsplan, um mir den Montagsmorgenüberblick zu verschaffen.
Neben mir intoniert unsere Referendarin: "Unter einer Fichtenwurzel hört ich einen Wichtel furzen!"
Ich eile zurück in die Warteschlange, komme aber nicht ganz bis zu dieser, weil mir irgendwer einen Telefonhörer hinhält.
"Für dich!"
Mist, das Telefonkabel reicht nur bis ca. 3 m vor den Kopierer, ich komme nicht bis zu meinem Warteplatz, werfe aber vorsorglich giftige Blicke in die Runde und schreie noch einmal: "Ich bin Nr. 5" ehe ich der irritierten Mutter am Telefon erkläre, dass ich nicht sie gemeint habe.
"Mein Sohn soll auf keinen Fall mehr den pestizoid bakteriell verseuchten Kakao trinken!" wird mir mitgeteilt. Yeah, 4.!!! denke ich und antworte, dass es mir neu sei, dass unser Kakao pestizoid und bakteriell verseucht sei.
Daraufhin erklärt man mir, dass von einem Lehrkörper auch nichts anderes als Unwissenheit erwartet würde und ich gefälligst dem Kind das zu viel gezahlte Kakaogeld - denn es trinkt ja nun den Kakao nicht mehr - rückerstatten soll.
"Ey, ich bin Nr.4 !" brülle ich in diesem Moment durch den Raum, will sich doch tatsächlich eine Kollegein vordrängeln. Jetzt schubbst sie auch noch mit den Füßen meine 32 Leinentaschen aus dem Weg. Ehrlich. Wo sind wir denn hier?
Ich erkläre der Mutter geduldig, dass ich nicht sie mit meinem Nr. 4 Ausruf gemeint habe und verwickle mich zusehends in diesem blöden Telefonkabel.
"Unter einer Fichtenwurzel hört ich einen Wichtel furzen!"
7.49 Uhr. Ich bin Nr. 3 - endlich.
Mir fällt das Jandl Gedicht ein: Erster sein!
Und ich finde, so als Dritte steht mir schon ein klein wenig Euphorie zu.
Gerade als ich zurück will in die Kopierschlange wird ein Junge ins Lehrerzimmer geschoben. Das Gesicht voller Blut.
"Nicht auf den Teppich!", schreit unser Hausmeister und unter dem Blut erkenne ich, dass es einer meiner Sprösslinge sein muss.
Ich stolpere nur kurz über das Kabel, lande aber eher sanft und dank Übung bin ich dennoch schnell bei dem Kind, das sein Nasenblut erstmal an meiner weißen Winterdaunenjacke abstreift.
"Telefon für dich!", drückt man mir erneut einen Hörer in die Hand und ich kann mich zwischen Schielen auf die Kopiererwarteschlange und dem Verarzten des Jungen nur schwer darauf konzentrieren, dass ein weißer Schnellhefter für eine Liedermappe wohl zu farblos sei.
"Unter eine Fichtenwurzel.....!" "Herrje", herrsche ich die überraschte Referendarin an "Lass deinen Wichtel doch bitte mal woanders furzen!"
"Nein", beruhige ich die Mutter am Telefon "ich meinte doch nicht Sie!"
Schiebe den verarzteten Jungen aus dem Zimmer und versuche zum Kopierer zu gelangen.
Während es hinter mir an meiner blutverschmierten Jacke zupft "Frau.... du wolltest uns doch noch die Seepferdchen Ausweise geben!" heult die grob von mir angefahrene Referendarin und beschuldigt mich, an einem ihrer Nervenzusammenbrüche schuldig zu sein, nur weil sie den Zungenbrecher im Lehrerzimmer nicht üben darf.
Sicher versemmelt sie nun die Stunde und überhaupt.
Ich bekenne mich schuldig und dringe in Richtung Kopierer vor,
Da, ich habe es gehört. Habe ich es wirklich gehört?
Oh nein.
War es tatsächlich das schlimme Wort, das ich habe raunen hören?
Das Wort, das mehr Angst einflößt als "Konzept". Noch mehr gar als "Evaluation".
Das eine kleine Wort, dass den Montagmorgen zu einem Weltuntergang degradieren lässt.
Gerade noch geraunt, dringt das Wort wellenmäßig lauter werdend zu mir vor.
Nein, ich habe mich nicht geirrt:
"PAPIERSTAU!" kreischt eine Kollegin hysterisch und ich erstarre.
Hektische Betriebsamkeit macht sich am gerät vor mir breit. "Sie nehmen jetzt bitte zwei Klassen mit zum Sport!" verkündet mir der Chef und gleichzeitig drückt man mir einen Wischer in der Hand: "Wischen Sie Ihren Dreck weg. So etwas gibt es nicht in MEINER Schule!" brüllt mir der Hausmeister ins Ohr und ich gehe davon aus, dass selbiges nun ertaubt sein wird.
Ein Blick auf den Kopierer. Jaaaaa, er tut es wieder. He, immerhin drei Kopien bevor es wieder staut. Geht doch. Wer sagt's denn.
7.54 Uhr. Ih bin ganz ruhig. Die neben mir keifende und weinende Referendarin muss ich leider ignorieren. Sie muss schnell lernen, was es heißt: MONTAGmorgen.
Zweite.
Ich bin zweite.
Die Kollegin vor mir packt geschätzte 37 Bücher aus und beginnt zu kopieren:
"Du, bei mir dauert das aber!" weist sie mich netterweise drauf hin!
Ich ordne meine 42 Leinentaschen und stelle fest, dass eine Mappe fehlt.
"Hat jemand meine YXZ Mappe gesehen?" frage ich freundlich in die Runde und erhalte ein ebenso freudiges: "Ja, die leih ich mir bis Donnerstag, ist das okay?" zurück.
Der Wichtel furzt auch schon wieder, als ich hastig zum Tisch springe, um meine Mappe zurückzuergattern. Ich meine, wir reden hier von Lehrern. Einmal verliehen für immer weg.
Auf dem Weg zum Tisch reiße ich versehentlich einen Holzschuber mit LÜK Kästen aus dem Regal. Hunderte LÜK Plättchen verstreuen sich kafkaesk auf dem Boden. Das hat was.
Leider kann ich diese nun nicht mehr aufsammeln, denn: Ich bin dran!!!!!!!!!
Erste. Erste. Erste.
Die Plättchen knacken, als ich über sie hinweg renne. Ich erreicht den Kopierer genau in dem Moment, in dem es schellt.
"Macht nichts", tröstet mich die Kollegin "Ist eh Papierstau!"
S. 13.02.2006, 06.35 | (7/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Augenblicke
Elterngespräche
Um Sophia ging es auch diesmal.
Allerdings überraschte mich das Thema:
"Also wir haben da ein Problem mit ihrer Tochter. Sophia möchte an manchen Tagen mittags nur Kartoffeln auf ihrem Teller haben. Keine Soße und auch sonst nichts. Dies erscheint uns als Zeichen für Autismus."
Nachdem ich - mal wieder - groß und breit erklärte, dass kein Arzt diese "Diagnose" des Kindergartens bislang bestätigt hat und wir uns sehr sicher sind, dass Sophia zwar a) einige Probleme hat, aber b) keinen Autismus, wurde mir nahe gelegt, auf mein Kind einzuwirken, damit es demnächst in der Lage ist "mehr Dinge auf dem Essensteller zu ertragen!"
Nun gehöre ich ganz offensichtlich zu jenen uneinsichtigen Elternteilen, die das Leben jedes Erziehers und Lehrers erschweren.
Ich verkündete meine diesbezügliche Meinung und sah in ungläubige Gesichter.
"Es ist schon ein Problem, wenn Kinder nur ein einziges Lebensmittel auf ihrem Teller dulden!" wurde ich verabschiedet.
Nun, das mag sogar der Wahrheit entsprechen. Nur wäre es in diesem Falle eher eines unserer geringsten Probleme.
S. 03.02.2006, 20.58 | (4/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: Nachwuchs


